Reinigung und Wartung des Abgasrohrs des Brennwertkessels
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Reinigung und Wartung des Abgasrohrs des Brennwertkessels – der umfassende Leitfaden
Der Brennwertkessel ist eine der effizientesten Heiztechnologien, die heute am Markt erhältlich sind. Er kann bis zu 109 % des nominalen Wärmewerts des verbrannten Gases extrahieren, wobei er auch das latente Wärme aus den Abgasen nutzt. Doch all diese Effizienz hängt direkt von einer Sache ab, die bei Wartungsinspektionen überraschend oft übersehen wird: vom richtigen Zustand des Abgasrohrs. Ein verstopftes, beschädigtes oder falsch geneigtes Abgasrohr kann die Effizienz des Kessels verringern, den Gasverbrauch erhöhen und im schlimmsten Fall sogar zu einer Gasleckage in den Wohnraum führen – mit potenziell katastrophalen Folgen.
In diesem Handbuch behandeln wir das gesamte Thema Reinigung und Wartung des Abgasrohrs des Brennwertkessels von Grund auf: was sich im Abgasrohr absetzt und warum, wie bei der Inspektion vorgegangen wird, was man selbst erledigen kann und was in die Hände eines Fachmanns gehört, welche vorgeschriebenen Intervalle gelten und wie man die ersten Anzeichen erkennt, dass mit dem Abgasrohr etwas nicht stimmt.
Warum sich das Abgasrohr des Brennwertkessels anders verhält als das klassische Abgasrohr
Wichtiger Fakt: Das Abgasrohr des Brennwertkessels ist nicht identisch mit dem Abgasrohr bei alten Atmosphärenbrennern. Die Abgase des Brennwertkessels sind deutlich kühler – bei der Austrittstemperatur aus dem Kessel bewegen sie sich typischerweise zwischen 40 und 60 °C (bei vollständiger Kondensation manchmal sogar unter 40 °C). Deshalb werden Abgasrohre für Brennwertkessel aus Kunststoff (PP, PPs) oder Edelstahl mit glattem Innenflächen hergestellt. Die Temperatur ist zu niedrig, um die Abgase über die gesamte Länge im gasförmigen Zustand zu halten – bei dieser Abkühlung kondensiert der Wasserdampf in den Abgasen und fließt wieder nach unten durch das Abgasrohr.
Diese Kondenswasser ist nicht rein. Es handelt sich um eine schwach saure Lösung (pH 3–5), die Kohlensäure, Schwefelsäure, geringe Mengen an Nitraten und anderen Verbindungen aus dem Verbrennungsprozess enthält. Genau diese Flüssigkeit ist im Brennwertkessel erwünscht – sie gibt Wärme an den Wärmetauscher ab. Im Abgasrohr ist dies jedoch ein Faktor, der zu einer schrittweisen Verschmutzung, möglicherweise Korrosion ungeeigneter Materialien und Ablagerungen führt.
Praktisch gesehen bedeutet das, dass bei Brennwertkesseln eine andere Art von Verschmutzung auftritt als bei traditionellen Schornsteinsystemen. Es bilden sich keine Rußablagerungen, keine Holzverbrennungsreste. Was auftritt, sind vielmehr:
- Kalk- und Magnesiumablagerungen – Mineralsalze aus dem Kondenswasser, die sich vor allem an Öffnungen und Verbindungen absetzen
- Biofilme – in langen horizontalen Abschnitten mit unzureichender Neigung können sich durch Feuchtigkeit und organische Verbindungen aus den Abgasen Nässefilme (Algen, Schimmelpilze) bilden
- Fett- und Rußablagerungen – vor allem bei Ölheizkesseln, bei Gasheizkesseln ist dies minimal, aber bei falscher Brennerjustage bilden sich auch bei Gasheizkesseln schwarze fettige Schichten
- Korrosion – wenn ein ungeeignetes Rohrmaterial verwendet wurde (z. B. verzinkter Stahl) oder die innere PPs-Rohrbeschichtung beschädigt ist
Was die Gesetze und Normen vorschreiben: vorgeschriebene Inspektionsintervalle
In der Slowakei regelt die Verordnung des Innenministeriums der Slowakischen Republik Nr. 401/2007 Zb. über technische Bedingungen und Anforderungen an die Brandschutzsicherheit bei der Installation und Betriebsführung von Brennstoffverbrauchern, Elektroheizgeräten und zentralen Heizanlagen sowie bei der Errichtung und Nutzung von Schornsteinen und Abgasrohren das Thema Inspektionen und Reinigungen. Diese Verordnung wurde aktualisiert, doch die Grundlogik bleibt bestehen: Regelmäßige Reinigung und Kontrolle sind verpflichtend.
Für Brennwertkessel gilt ein spezifischer Regelung. Kessel mit einer Leistung bis 50 kW, an ein geschlossenes Kunststoffabgasrohr angeschlossen, müssen mindestens einmal jährlich von einer qualifizierten Person (Schornsteinfeger) überprüft werden. Die Reinigung erfolgt nach Bedarf, doch die empfohlene Frequenz beträgt 1× jährlich bei Gasheizkesseln und 2× jährlich bei Ölheizkesseln. In der Praxis kombinieren die meisten Service-Techniker die Kontrolle des Abgasrohrs mit der jährlichen obligatorischen Wartung des Kessels – das ist ein sinnvoller und praktisch erprobter Ansatz.
Wichtig: Das Gesetz unterscheidet zwischen Reinigung (die unter bestimmten Bedingungen selbst durchgeführt werden kann) und fachmännischer Inspektion (die von einem zertifizierten Schornsteinfeger oder Service-Techniker durchgeführt werden muss). Der Nachweis über die Inspektion ist nicht nur bei Versicherungsansprüchen im Schadensfall, sondern auch bei der Veräußerung einer Immobilie unerlässlich.
Anatomie des Brennwertkessels Abgasrohrs – wo bilden sich Verschmutzungen am häufigsten
Abgasrohr des Brennwertkessels besteht aus mehreren typischen Komponenten, wobei jede ihre spezifischen Risiken hat:
- Anschlussstück am Kessel – Ort der größten thermischen Belastung und gleichzeitig der erste Kontakt mit Kondensat. Typischerweise bilden sich hier Salzablagerungen und bei Ölheizkesseln auch fettige Ablagerungen. Bei einem Protherm Anschlussstück für Abgasrohre 60/100 mm A1KP verbindet dieser Teil den Kessel mit dem koaxialen Rohr und ist der erste Ort, an dem bei der Inspektion die Dichtung und Reinheit geprüft werden müssen.
- Horizontale Abschnitte – jeder waagerechte Rohrabchnitt ist ein potenzieller Ort der Kondensatsansammlung, wenn er keinen ausreichenden Neigungswinkel hat. Die Norm verlangt einen minimalen Neigungswinkel von 3° (also ca. 5 cm pro Meter Länge) in Richtung vom Ablauf zum Kessel, wo das Kondensat in den Siphon abgeleitet wird.
- Winkel und Abzweigungen – die Form des Winkels verlangsamt den Abgasfluss und Kondensat sammelt sich dort länger an. Ablagerungen bilden sich hier schneller als in geraden Abschnitten.
- Verzweigungselemente – bei Systemen mit Anschluss mehrerer Kessel, beispielsweise über Protherm Verzweigungselement Ø 2 x 80 mm R2KP, ist es wichtig, jedes Arm separat zu überprüfen, da bei einem unbalancierten System ein Arm intensiver kondensieren kann.
- Auslauf (Endstück) – das äußere Ende des Abgasrohrs ist den atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt: Nebel, Ruß von benachbarten Schornsteinen, biologische Besiedlung (Vögel, Spinnen, Moose). Ein verstopfter Auslauf kann zu einem Anstieg des Überdrucks im Abgasrohrsystem und zu einem Fehlerschutz des Kessels führen.
Schritt für Schritt: Wie läuft die eigentliche Inspektion und Reinigung des Abgasrohrs ab
Vorbereitung und Sicherheit
Vor jeder Manipulation am Abgasrohr ist es unbedingt notwendig, den Kessel abzustellen und abkühlen zu lassen. Bei Brennwertkesseln ist dies nicht so kritisch wie bei klassischen Kaminen, da die Abgastemperaturen niedrig sind, dennoch gilt die Regel: Arbeiten erfolgen nur an abgeschaltetem Gerät. Schließen Sie die Gaszufuhr (oder bei Ölheizkesseln die Ölzufuhr), trennen Sie den Kessel von der Stromversorgung und warten Sie mindestens 30 Minuten.
Erforderliche Utensilien:
- Weiche Bürste zum Reinigen der Rohre (Durchmesser entsprechend dem System – 60 mm oder 80 mm für das innere Abgasrohr)
- Kunststoffwanne oder Eimer zum Auffangen des Kondensats bei der Demontage
- Schlauch mit schwachem Wasserstrom zum Spülen
- Leichter Zitronensäure-Lösung (50 g auf 1 Liter Wasser) zum Auflösen mineralischer Ablagerungen
- Papiertücher oder Handtücher
- Ersatzdichtungen für die Verbindungen (EPDM oder Silikon, je nach System)
- Taschenlampe und ggf. Endoskopkamera
Visuelle Inspektion ohne Demontage
Beginnen Sie immer mit einer visuellen Prüfung – das spart Ihnen die Hälfte der Arbeit. Prüfen Sie sichtbare Teile des Abgasrohrs:
- Sind alle Verbindungen an Ort und Stelle? Sind sie verschoben?
- Sind auf den Rohren oder in ihrer Umgebung sichtbare Kondensatspuren oder weißliche/gelbliche Ablagerungen (zeigen einen Abgasleck an)?
- Ist die richtige Neigung der horizontalen Abschnitte erhalten geblieben?
- Ist das äußere Ende frei – ohne Nest, Moos oder mechanische Beschädigung?
- Ist das äußere Mantelrohr des koaxialen Rohrs mechanisch beschädigt (Risse, Brüche)?
Wenn Sie weißliche oder graue Ablagerungen auf der Rohroberfläche an der Verbindung sehen, ist das fast immer ein Hinweis darauf, dass die Verbindung nicht dicht ist. Beim Betrieb entweichen die Abgase nach außen und hinterlassen mineralische Spuren. Dies ist ein ernstes Problem, das unverzüglich gelöst werden muss – schauen Sie sich auch unseren Artikel Häufige Störungen und Abgaslecks bei Abgasrohren von Brennwertkesseln an, in dem diese Symptome detailliert beschrieben sind.
Reinigung des inneren Abgasrohrs
Das innere Rohr des koaxialen Systems oder das separate Ablaufrohr des Zweirohrsystems ist der Ort, an dem Abgasprodukte sich absetzen. Bei Gasbrennwertkesseln mit guter Brennereinstellung und ordnungsgemäß funktionierender Kondensatabführung sind die Ablagerungen minimal – bei der jährlichen Wartung reicht in der Regel eine visuelle Prüfung, Spülen mit Wasser und Bürsten.
Reinigungsablauf:
- Demontieren Sie den ersten Rohrabchnitt am Kessel (meist nach dem ersten Winkel). Entfernen Sie das Anschlussstück und legen Sie die Dichtung beiseite – prüfen Sie die Dichtung an dieser Gelegenheit immer und ersetzen Sie sie ggf.
- Mit einer weichen Bürste mit dem richtigen Durchmesser (für das System 60/100 ist das eine Bürste von 55–58 mm, für das System 80/125 ist das eine Bürste von 75–78 mm) durchlaufen Sie die gesamte Rohrlänge manuell oder mit Verlängerungsstangen.
- Nach dem Bürsten spülen Sie das Rohr mit lauwarmem Wasser – wenn Sie Zugang von beiden Seiten haben, lassen Sie das Wasser die gesamte Länge durchfließen. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht in den Kessel läuft.
- Wenn die Ablagerungen hart sind (weißer mineralischer Belag), füllen Sie das Rohr mit Zitronensäure-Lösung (50 g/l) und lassen Sie diese 20–30 Minuten einwirken, danach abspülen.
- Überprüfen Sie visuell das Innere des Rohrs mit einer Taschenlampe oder Endoskopkamera (wenn verfügbar).
Reinigung des äußeren Mantels (Luftzufuhr) im koaxialen System
Dies ist ein Ort, der leicht übersehen wird, und dennoch kann sein Verstopfen reale Betriebsprobleme verursachen. Über den äußeren Mantel des koaxialen Abgasrohrs gelangt der Verbrennungsluft von außen in den Kessel. Wenn der Eingangsteil verstopft ist – mit Spinnweben, Moos, Insekten, Nestern –, bekommt der Kessel nicht genug Sauerstoff und der Verbrennungsprozess verschlechtert sich.
Die Luftzufuhr des äußeren Mantels reinigen wir in der Regel mit Druckluft (aus einem Kompressor oder PET-Flasche) oder mit einer weichen Bürste. Beim koaxialen Auslauf prüfen Sie den Schutzverschluss (Regenschutzkopf) – dieser muss unbeschädigt und frei sein. Wenn die äußere Kopf ist von Vogelnestern oder mechanisch verformt ist, muss sie ersetzt werden.
Siphon des Kondensats – kritische Komponente des Systems
Das Kondensat aus den Abgasen muss einen Abfluss haben. Jeder Brennwertkessel hat einen eingebauten Siphon, der auf der einen Seite die saure Flüssigkeit in die Kanalisation ableitet und auf der anderen Seite verhindert, dass die Abgase über den Abfluss in den Raum gelangen. Wenn der Siphon austrocknet (z. B. während der Sommerpause) oder verstopft ist, entsteht eine direkte Verbindung der Abgase in den Raum.
Die Prüfung des Siphons bei jeder jährlichen Wartung ist daher verpflichtend:
- Siphon abmontieren, reinigen und ausspülen
- Überprüfen, ob das Abwasserrohr in die Kanalisation nicht verstopft ist
- Beim Ölheizkessel sammelt sich eine ölhaltige Phase im Siphon – diese muss als gefährlicher Abfall entsorgt werden, nicht in die Kanalisation gespült
- Nach erneuter Montage den Siphon mit sauberem Wasser füllen (ca. 200 ml), um eine funktionierende Wasserabdichtung zu gewährleisten
Systeme 60/100 mm und 80/125 mm – unterschiedliche Wartungsanforderungen
Der Durchmesser des Abgasrohrs beeinflusst direkt nicht nur die hydraulischen Parameter des Systems, sondern auch die praktische Wartung. Das kleinere System 60/100 mm (die innere Abgasrohr hat 60 mm, die äußere Hülse 100 mm) ist mit kürzeren Bürsten leichter zu reinigen, wird jedoch schneller verschmutzt bei höherer Leistung oder langen Leitungen. Das größere System 80/125 mm hat eine höhere Kapazität, ist widerstandsfähiger gegen Verstopfungen, die Reinigung ist jedoch körperlich aufwendiger.
Für das System 80/125 mm – beispielsweise bei Kesseln angeschlossen über Protherm Anschlussadapter für Abgasrohre 80/125 mm A25KP – sind spezielle längere Bürsten und Teleskoprohre erhältlich. Dieses System wird typischerweise bei Kesseln mit höherer Leistung (35–50 kW) oder bei langen Abgasrohren eingesetzt, bei denen ein kleinerer Durchmesser zu einem übermäßig hohen Druckverlust führen würde.
Eine detaillierte Auswahl zwischen diesen beiden Systemdurchmessern finden Sie im Artikel Welcher Abgasrohrdurchmesser ist notwendig: 60/100 oder 80/125 mm, in dem auch konkrete Berechnungstabellen für verschiedene Leistungen und Leitungslängen enthalten sind.
Horizontale vs. vertikale Abgasrohre – unterschiedliche Probleme bei der Wartung
Horizontale Systeme, typischerweise direkt durch die Wand (kurze Leitung), haben den Vorteil der einfachen Installation, sind aber anfälliger für Kondensatstau. Die Prüfung der Neigung ist hier kritisch. Ein typisches horizontales Kit, wie z. B. Protherm horizontales Kit 60/100 mm – 0,8 m, S1KP, ist bei richtiger Installation so konzipiert, dass das Kondensat zurück zum Kessel fließt. Bei einer Renovierung oder Umnutzung kann bereits eine Änderung der Neigung um 1–2° dazu führen, dass Kondensat in der Leitung staut und Probleme verursacht.
Vertikale Systeme, die über den Schornstein geführt werden, profitieren vom natürlichen Abfluss des Kondensats durch die Schwerkraft. Ablagerungen sind typischerweise weniger problematisch als bei horizontalen Leitungen gleicher Länge. Ein Nachteil ist die schlechtere Zugänglichkeit zur Reinigung – bei langen vertikalen Leitungen ist manchmal spezielle Ausrüstung (Endoskopkamera, flexible Bürsten mit Verlängerung) und Zugang vom Dach erforderlich. Mehr zu dieser Option finden Sie im Artikel Horizontale vs. vertikale Abgasrohre – welche Option ist bei der Renovierung zu wählen.
Was kann auch einen gut gewarteten Abgasrohr beschädigen – externe Einflüsse
Auch wenn Sie das Abgasrohr regelmäßig reinigen und kontrollieren, gibt es äußere Faktoren, die es im Laufe der Zeit beschädigen und Probleme verursachen können:
Mechanische Schäden durch Frost
Obwohl Kunststoffrohre aus PP/PPs kondensatbeständig sind, ist die äußere Zone – Endstück, letzter Abschnitt vor dem Austritt – dem Frost ausgesetzt. Wenn Kondensat in der Rohrleitung bei starker Kälte verbleibt, kann es beim Gefrieren das Rohr reißen. Kunststoffrohre sollten daher eine ausreichende Neigung aufweisen, damit Kondensat nicht staut. Jedes Jahr im Frühjahr sollten Sie daher die äußere Zone des Abgasrohrs auf Risse nach der kalten Jahreszeit überprüfen.
UV-Degradation
Standard-PP-Rohre für Brennwertabgasrohre sind nicht UV-beständig. Wenn der äußere Abschnitt direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist (z. B. an der Südseite des Gebäudes), kann er nach 5–10 Jahren degenerieren – er wird spröde und bricht. Äußere Abschnitte sollten aus UV-stabilisiertem Material bestehen oder abgedeckt sein (metallischer Schutz, Putz).
Bioverunzung
Feuchtigkeit, Temperatur und organische Verbindungen aus den Abgasen schaffen ideale Bedingungen für Algen und Moose an der äußeren Zone des Abgasrohrs und des Endstücks. Diese Ablagerungen können den Luftanschluss bei Koaxialsystemen physisch verstopfen. Eine jährliche Kontrolle und mechanische Reinigung des äußeren Austritts ist mindestens erforderlich.
Nicht geeignete Chemikalien in Reinigungsprodukten
Achtung vor der Verwendung aggressiver Chemikalien – Chlorprodukte, starke Hydroxide oder Aceton können die Oberfläche von PP/PPs-Rohren beeinträchtigen. Bei der Reinigung von Brennwertabgasrohren sollten Sie immer nur pH-neutrale Reinigungsprodukte oder schwache organische Säuren (z. B. Zitronensäure) verwenden. Aggressive Chemikalien können bei der Reinigung von metallischen (rostfreien) Abgasrohren eingesetzt werden, auch hier jedoch mit Vorsicht.
Serviceinspektion vs. Reinigung: was gehört wem
In der Praxis stoße ich auf zwei Extrempositionen: Entweder vernachlässigen Heizkesselbesitzer jegliche Wartung ("der Kessel läuft, also was soll’s"), oder sie dagegen zerlegen Dinge, in die sie nicht eingreifen sollten. Eine klare Trennung der Zuständigkeiten ist daher wichtig.
Was der Eigentümer (Laien) selbst tun kann:
- Visuelle Kontrolle des äußeren Austritts und des Endstücks
- Kontrolle und Ausspülen des Kondensats-Siphons
- Reinigung der zugänglichen äußeren Rohroberflächen
- Erfassen und Melden offensichtlicher Schäden
Was nur ein zertifizierter Schornsteinfeger oder Service-Techniker ausführen muss:
- Fachmännische Prüfung der Dichtheit der Verbindungen (Abgas-Test)
- Messung des Ansaugs und Überdrucks
- Abmontage und Reinigung der inneren Abschnitte
- Prüfung und gegebenenfalls Austausch der Dichtungen
- Ausstellung des Kontrollnachweises (verpflichtende Dokumentation)
- Beurteilung des Zustands der Rohre und gegebenenfalls Empfehlung zur Erneuerung
Typischer Praxisfall: Der Kunde hat ein Haus mit einem 8-jährigen Brennwertkessel gekauft. Der Kessel fiel regelmäßig mit dem Fehlercode F28 (Zündfehler) oder F29 (Flammenfehler) aus. Der Techniker stellte fest, dass die äußere Endkappe zu 50 % mit Moos und Kondenswasser verstopft war. Zudem hatte der Adapter am Kessel ein gerissenes Dichtungselement und Abgase entwichen teilweise in die Technikzone. Nach Reinigung der Kappe, Austausch der Dichtung und Kontrolle der gesamten Leitung stabilisierte sich der Kessel und die Fehlercodes verschwanden. Die gesamte Arbeit dauerte 2 Stunden und kostete ca. 90 EUR inkl. MwSt. – deutlich weniger als ein überflüssiger Technikervisit, der bei der ersten Besichtigung den Fehler ohne Abgasrohrkontrolle nicht identifiziert hätte.
Wechsel von Dichtungen und Verbindungselementen bei der Wartung
Dichtungen von Abgasrohrverbindungen sind Serienteile mit begrenzter Lebensdauer. EPDM-Gummidichtungen haben typischerweise eine Lebensdauer von 10–15 Jahren unter normalen Bedingungen, Silikondichtungen halten länger (15–20 Jahre). Jede Demontage einer Verbindung ist eine Gelegenheit, die Dichtung visuell zu prüfen und bei jedem Zweifel (Verhärtung, Risse, Verformung) auszutauschen. Der Preis einer Dichtung ist minimal – einige Cent bis Euro –, während die Kosten für Schäden durch Abgasentweichung unvergleichbar höher sind.
Beim Umgang mit konkreten Abgasrohrsystemen von Protherm ist es wichtig, originale Ersatzteile oder zertifizierte kompatible Ersatzteile zu verwenden. Verschiedene Systeme haben spezifische Dichtungsmaße, die nicht untereinander austauschbar sind. Die Frage der Kompatibilität verschiedener Marken wird detailliert im Artikel Kompatibilität von Abgasrohr und Heizkessel: Protherm, Vaillant und andere Marken behandelt.
Wartungsprotokoll und Dokumentation
Jede Inspektion sollte dokumentiert werden. Der Techniker oder Schornsteinsanierer stellt einen Kontrollbericht aus, der das Datum, den festgestellten Zustand, die durchgeführten Arbeiten und Empfehlungen enthält. Diesen Bericht sollten Sie mindestens 5 Jahre aufbewahren – es ist Ihr Nachweis gegenüber der Versicherung, gegenüber dem Hausverwalter (bei Mehrfamilienhäusern) und gegenüber einem eventuellen Käufer der Immobilie.
Es ist eine gute Gewohnheit, auch einen eigenen einfachen Wartungszettel für den Kessel zu führen, in dem Sie das Datum der Kontrolle, wer sie durchgeführt hat, und den Zustand des Abgasrohrs (rein / teilweise verstopft / Dichtung ausgetauscht usw.) eintragen. Bei der Diagnose irgendeines Problems mit dem Kessel wird der Servicetechniker diese Informationen sehr begrüßen.
Kosten der Abgasrohrwartung – reale Zahlen
Schätzungen der ungefähren Kosten für ein typisches Einfamilienhaus (Kessel 20–30 kW, Abgasrohr 60/100 mm, Leitung 1–3 m):
- Jährliche Wartung des Kessels + Kontrolle des Abgasrohrs durch Schornsteinsanierer: 80–150 EUR inkl. MwSt.
- Reinigung des Abgasrohrs als eigenständige Leistung (durch Techniker): 40–70 EUR
- Wechsel der Dichtungen (Satz): 5–20 EUR für Material + Arbeitszeit
- Wechsel der Endkappe (außenliegender Anschluss): 20–60 EUR für Ersatzteil + Montage
- Wechsel eines gesamten Rohrabschnitts (z. B. 1 m): 30–80 EUR für Material + Arbeitszeit
Vergleichen Sie das mit den Kosten eines Schadens durch verstopftes oder undichtes Abgasrohr: Der Wechsel des Wärmetauschers des Kessels (wenn er durch Abgase verstopft wird) kostet 300–700 EUR, die Reparatur von Schäden nach CO-Vergiftung (wenn es zum Schlimmsten kommt) hat einen unvergleichlich höheren Preis. Präventive Wartung ist eindeutig die günstigste Option.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie oft muss das Abgasrohr eines Brennwertkessels für Gas geputzt werden?
Für Gaskessel mit Brennwerttechnik wird empfohlen, das Abgasrohr einmal jährlich durch einen Fachmann zu reinigen und zu kontrollieren, idealerweise kombiniert mit der obligatorischen jährlichen Wartung des Kessels. Bei Öl-Brennwertkesseln ist die Frequenz höher – zwei Reinigungen pro Jahr werden empfohlen. Das Gesetz verlangt für Kessel bis 50 kW mindestens eine jährliche fachmännische Kontrolle.
Kann ich das Abgasrohr des Brennwertkessels selbst reinigen, ohne Fachmann?
Eine einfache visuelle Kontrolle des äußeren Anschlusses und das Spülen des Kondensatsiphons können Sie selbst durchführen. Für die Demontage und Reinigung der inneren Rohre und die Kontrolle der Dichtheit der Verbindungen (Abgasprobe) sollte ein zertifizierter Schornsteinsanierer oder autorisierter Servicetechniker hinzugezogen werden. Die Arbeit eines Laien ohne entsprechende Ausrüstung kann Dichtungen beschädigen und Abgasentweichungen verursachen.
Der Kessel fällt mit einem Zündfehler aus – kann das ein verstopftes Abgasrohr sein?
Ja, das ist eine der häufigsten Ursachen. Ein verstopfter Luftanschluss (äußerer Mantel des Koaxialsystems oder eine separate Einlassröhre) führt dazu, dass dem Kessel nicht genug Sauerstoff für die Zündung zur Verfügung steht. Das zeigt sich in Fehlern wie F28, F29 (Protherm) oder F62, F63 (Vaillant), oder in wiederholten Resets. Die erste Sache, die geprüft werden muss, ist der äußere Anschluss des Abgasrohrs.
Welcher ist der Unterschied bei der Wartung von Koaxial- und Doppelrohrsystem?
Beim Koaxialsystem reinigen Sie eine Röhre (innere – Abgas), wobei Sie den äußeren Mantel (Luft) an der Mündung auf Durchlässigkeit prüfen. Beim Doppelrohrsystem haben Sie zwei separate Röhren – eine Ablaufröhre (Abgas) und eine Einlassröhre (Luft) – und jede davon muss separat geprüft und ggf. gereinigt werden. In der Praxis ist das Doppelrohrsystem etwas aufwendiger bei der vollständigen Kontrolle, aber bei richtiger Installation weniger anfällig für Verstopfungen, da die Einlassröhre keine feuchten Abgase transportiert. Mehr zu den Vorteilen und Nachteilen beider Systeme finden Sie im Artikel Koaxial- vs. Doppelrohr-Abgasrohr – welches ist besser.
Nach wie vielen Jahren muss das gesamte Abgasrohr des Brennwertkessels ausgetauscht werden?
PP- und PPs-Rohre für Brennwertkessel haben bei richtiger Montage und normaler Betriebsbelastung eine Lebensdauer von 20–30 Jahren. Eine vorzeitige Austausch ist erforderlich bei mechanischen Schäden (Frost, mechanische Einwirkung), UV-Verwitterung der äußeren Abschnitte oder chemischen Schäden durch falsche Reinigungsprodukte. Edelstahlrohre haben bei richtiger Wartung praktisch keine begrenzte Lebensdauer. Jede fachmännische Inspektion sollte die visuelle Prüfung der Rohre und Dichtungen mit Empfehlungen für den weiteren Vorgehen beinhalten.
Was tun, wenn aus dem Abgasrohr oder Siphon ein unangenehmer Geruch kommt?
Ein unangenehmer Geruch aus der Umgebung des Abgasrohrs oder aus dem Kondensatsiphon signalisiert entweder einen verstopften Siphon (ausgetrockneter Wasserschloss – Abgase durchströmen direkt die Räume) oder eine undichte Verbindung entlang der Leitung. Schalten Sie sofort den Kessel ab, öffnen Sie die Fenster, verlassen Sie den Raum und rufen Sie einen Servicetechniker oder Schornsteinsanierer an. Untertreiben Sie niemals die Gefahr von Abgasen im Wohnraum – Kohlenmonoxid (CO) ist farblos, geruchlos und lebensgefährlich.
Fazit: Die Wartung des Abgasrohrs ist eine Investition, kein überflüssiger Kostenfaktor
Ein Brennwertkessel ist eine Investition für 15–25 Jahre. Damit Sie aus ihm die maximale Effizienz und Sicherheit während dieser gesamten Zeit erhalten, verdient das Abgasrohr die gleiche Aufmerksamkeit wie der Kessel selbst. Eine jährliche Inspektion, der richtige Neigungswinkel der horizontalen Abschnitte, ein funktionierender Siphon und unbeschädigte Dichtungen – das sind relativ einfache Dinge, die in der Praxis entscheiden, ob der Kessel 25 Jahre zuverlässig arbeitet oder nach 8 Jahren aus vermeidbaren Gründen ausfällt.
Falls Sie auch die eigene Installation des Abgasrohrs oder einen Austausch des bestehenden Systems planen, empfehlen wir Ihnen, auch andere Artikel im Wissenszentrum zu lesen: Wie man das Abgasrohr für einen Brennwertkessel auswählt, Wie man das Abgasrohr eines Brennwertkessels Schritt für Schritt installiert und Durchgang durch Dach oder Wand: Unterschiede, Typen und Montage. Der gesamte Sortiment an Abgas- und Schornsteilkomponenten finden Sie in der Kategorie Abgasrohre und Schornsteile.
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