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Koaxial- oder Zweirohr-Abgas-System – welches ist besser

Koaxial vs. Twin-Pipe-System – Welches System ist für Ihren Brennwertkessel das bessere?

Wenn ein Kunde sich für einen Brennwertkessel entscheidet, konzentriert sich die meiste Aufmerksamkeit auf die Leistung, die Marke und den Preis. Das Abgasrohr wählt man meist erst später – und genau hier entstehen die meisten Unklarheiten. Die beiden grundlegenden Konzepte, das Koaxialrohr und das Twin-Pipe-System, sind nicht nur eine technische Kleinigkeit. Sie beeinflussen die Montage, die Kosten, die Leistung des Kessels, die Sicherheit und die langfristige Betriebsdauer. Dieser Artikel führt Sie detailliert durch beide Systeme und hilft Ihnen bei der Entscheidung – nicht auf Grundlage von Marketingphrasen, sondern auf Grundlage echter technischer Fakten und praktischer Erfahrungen.

Koaxiales Abgasrohr – Querschnitt Abgase Luft Luft Äußere Rohrleitung Ø 100/125 mm – zugeführte Luft

Was ist ein Koaxialrohr und wie funktioniert es

Das Koaxialrohr – in der Praxis finden Sie es auch unter den Bezeichnungen „Turbinenrohr", „Rohr in Rohr" oder kurz „Koax" – funktioniert nach dem Prinzip von zwei koaxialen Rohren, wobei das innere Rohr die Abgase abführt und das äußere Rohr frische Luft zum Brenner führt. Die gesamte Anlage bildet eine einzige kompakte Einheit, die durch eine einzige Öffnung in der Wand oder der Dachfläche verläuft.

Die Luft, die von außen kommt, bewegt sich zwischen den Wänden des äußeren und inneren Rohres in Richtung des Kessels. Dabei wird sie durch die Wärme der Abgase im inneren Rohr erhitzt – was ein kleiner, aber messbarer Vorteil für die Verbrennungseffizienz ist. Das innere Rohr (Durchmesser meist 60 mm) führt die Abgase bei einer Temperatur von typischerweise 40–70 °C ab, das äußere Rohr (100 mm) führt die Luft zu.

Die Standardabmessungen eines Koaxialrohrs für Brennwertkessel im Haushalt sind 60/100 mm und für größere Leistungen 80/125 mm. Direkt für Kessel der Marke Protherm finden Sie auf unserem Onlineshop beispielsweise Protherm Anschlussrohradapter 60/100 mm A1KP oder Protherm Anschlussrohradapter 80/125 mm A25KP, die als Übergang zwischen Kessel und Abgasrohr mit entsprechendem Durchmesser dienen.

Was ist ein Twin-Pipe-System und wie funktioniert es

Das Twin-Pipe-System (englisch „twin pipe", bei uns manchmal auch „separat" oder „bifilar" genannt) verwendet zwei physisch getrennte Rohre: eines führt die Abgase ab, das andere führt die Luft zu. Beide Rohre müssen jeweils eigenständig vom Kessel bis zur Austrittsöffnung an der Außenwand oder an der Dachfläche geführt werden. Die Durchmesser sind meist für beide Rohre gleich – standardmäßig 2× 80 mm, bei kürzeren Leitungen und geringeren Leistungen auch 2× 60 mm.

Der entscheidende Vorteil des Twin-Pipe-Systems besteht darin, dass Luft und Abgase vollständig getrennte Wege nehmen, was eine wesentlich größere Flexibilität bei der Planung der Leitungsroute ermöglicht. Die Luftrohrleitung kann kürzer oder länger als die Abgasrohrleitung sein, ohne dass dadurch eine hydraulische Ungleichgewicht entsteht – im Gegensatz zum Koaxialrohr, bei dem beide Funktionen denselben physischen Raum teilen.

Ein typisches Praxisbeispiel: In einem Einfamilienhaus mit Heizraum im Keller, in dem der Kessel 8–12 m von der Außenwand entfernt ist, ist das Koaxialrohr an seine Grenzen gestoßen (Grenzen des hydraulischen Widerstands). Das Twin-Pipe-System hingegen bewältigt solche Leitungen von 20–30 m problemlos, sofern die Dimensionierung korrekt erfolgt.

Twin-Pipe-System – Grundriss der Leitungsroute Kessel Abgase → nach außen ← Luft nach innen Wand Abgasrohr (Ø 80 mm) Luftrohr (Ø 80 mm)

Wann ist das Koaxialrohr das richtige und wann nicht

Das Koaxialrohr ist eine ideale Lösung für Wohnungen und kleinere Einfamilienhäuser, in denen der Kessel in unmittelbarer Nähe zur Außenwand installiert ist – typischerweise in der Küche, im Flur oder in einer kleinen technischen Räume im Erdgeschoss. Die Montage ist schnell, der Durchgang durch die Wand ist ein einziger (ein kreisförmiges Loch genügt) und die Gesamtkosten des Systems einschließlich der Arbeiten sind meist niedriger als bei der Twin-Pipe-Lösung.

Beispiele, in denen das Koaxialrohr problemlos funktioniert:

  • Plattenbauwohnung, Kessel an der Wand – Abgas direkt durch die Fassade, Leitungslänge 0,5–1,5 m
  • Einfamilienhaus, Kessel in der Küche direkt an der Außenwand – horizontale Leitung bis zu 3–4 m
  • Sanierung einer Wohnung, bei der die ursprüngliche Installation ein Koaxialrohr hatte und der neue Kessel es ebenfalls unterstützt
  • Installation in beengtem Raum, in dem kein Platz für zwei parallele Rohre ist

Im Gegensatz dazu eignet sich das Koaxialrohr nicht in folgenden Situationen:

  • lange horizontale Leitungen (über 5–6 m bei 60/100 mm, über 8–10 m bei 80/125 mm) – der hydraulische Widerstand steigt an, der Kessel kann Fehler melden oder abschalten
  • hoher Anzahl an Bögen (jeder 90°-Bogen entspricht einer äquivalenten Länge von 1–2 m Rohr)
  • Installationen, bei denen Luft und Abgase in verschiedene Richtungen geführt werden müssen (z. B. Abgase durch den Schornstein nach oben, Luft von der Dachfläche)
  • Kaskadenanordnung mehrerer Kessel
  • Gebiete mit extrem niedrigen Temperaturen, in denen das Kondensat in der äußeren Leitung gefrieren könnte (bei langen Austritten hinter der Fassade)

Die maximalen äquivalenten Längen (sogenannte „equivalent length") für Koaxialrohre sind bei den meisten Herstellern (Protherm, Vaillant, Buderus, Bosch) klar in der technischen Dokumentation des Kessels definiert. Bei 60/100 mm sind es meist 5–8 m, bei 80/125 mm 10–15 m – abhängig vom konkreten Kessel und dessen Lüfter. Überschreiten Sie diese Werte niemals, da ansonsten ein unzureichender Luftzufuhr und eine gefährliche Betriebsweise drohen.

Wann ist ein Zweiröhrensystem die bessere Wahl

Ein Zweiröhrensystem ist leistungsfähiger und flexibler – und in der Praxis wählen wir es immer dann, wenn eine Koaxialanordnung nicht ausreicht. Sein größter Vorteil besteht darin, dass jede Leitung (Abgas und Luft) ihren eigenen hydraulischen Widerstand hat, der separat dimensioniert wird. Das eröffnet einen viel größeren Spielraum bei der Planung der Leitungsroute.

Typische Szenarien, in denen das Zweiröhrensystem gewinnt:

  • Heizraum im Keller oder in einer Technikzone weit entfernt von der Außenwand – Leitungen mit 10–25 m Länge sind in der Praxis üblich
  • Vertikale Abführung der Abgase über den Schornstein und die Luft wird über eine separate Leitung von der Fassade zugeführt – typisch bei Renovierungen, bei denen ein gemauerter Schornsteinschacht vorhanden ist
  • Kaskadenanschluss von 2–4 Kesseln – jeder Kessel hat seine eigenen Abgase, doch die Luft kann bei richtiger Dimensionierung von einem gemeinsamen Zuführungsanschluss geteilt werden
  • Einbau in einen bestehenden Schornstein mithilfe einer Einlage Ø 80 mm – die Abgase verlassen den Schornstein nach oben, die Luft wird über die Fassade oder einen Schacht zugeführt
  • Häuser mit komplexer Grundrissplanung, bei denen die Route um tragende Konstruktionen herumgeführt werden muss, mehrere Räume durchquert oder mehrfach die Richtung wechselt

Für die Aufteilung in mehrere Zweige im Zweiröhrensystem (z. B. bei Kaskaden) dienen Komponenten wie Protherm Aufteiler Ø 2 x 80 mm R2KP, der es ermöglicht, die Abgase von zwei Kesseln in eine gemeinsame Sammelrohrleitung zu verbinden oder umgekehrt – die Zufuhr der Luft in zwei Zweige aufzuteilen.

Wichtig: Beim Zweiröhrensystem muss die Luftrohrleitung korrekt isoliert oder im Innenbereich verlegt werden, um ungewolltes Erwärmen der kühlen Außenluft zu vermeiden – dies würde die Dichte der Luft verringern und somit die Verbrennungseffizienz. Die Abgasrohrleitung muss mindestens um 3° (etwa 5 cm/m) geneigt sein, um Kondensat in Richtung des Kessels ablaufen zu lassen, wo es über den Kondensatablauf aufgefangen wird.

Max. äquivalente Länge der Leitung (orientierend) 0 10 20 30 40 8 m Koax 60/100 15 m Koax 80/125 30 m 2× 80 mm Zweiröhre 40+ m 2× 80 mm optimiert * orientierende Werte, abhängig vom Kessel und Anzahl der Bögen

Technische Unterschiede im Detail: Kondensat, Isolierung, Druck

Kondensat und dessen Ableitung

Ein Brennwertkessel erzeugt Kondensat nicht nur im Wärmetauscher, sondern auch im Abgasrohr selbst. Beim Koaxialsystem entsteht Kondensat an der inneren Wand der äußeren Rohrleitung (gekühlt durch Kontakt mit der Außenluft) und fließt zurück zum Kessel – was korrekt ist. Probleme entstehen bei falscher Neigung (zu geringer Gefälle) oder wenn die äußere Koaxialrohrleitung zu lang ist und das Kondensat im Winter gefriert. Deshalb haben Koaxialsysteme eine Grenze, wie weit sie über die Fassade hinausgeführt werden dürfen (typisch max. 15–20 cm über die Wandfläche hinaus).

Beim Zweiröhrensystem ist die Situation einfacher – die Abgasrohrleitung wird mit einem Gefälle zum Kessel (3–5°) geführt und das Kondensat läuft durch Schwerkraft ab. Die Luftrohrleitung erzeugt kein Kondensat (kalte Außenluft kondensiert beim Durchströmen nicht). Der Kondensatablauf des Kessels muss an die Kanalisation angeschlossen werden, was über eine Neutralisationsvorrichtung erfolgt – dies gilt für beide Systeme.

Thermische Isolierung der Rohre

Die Koaxialrohrleitung ist von Natur aus „selbstisolierend“ – die Luft im Zwischenraum wirkt als Wärmepuffer, wodurch die äußere Oberfläche der Koaxialrohrleitung relativ kühl bleibt. Das ist ein Vorteil bei der Führung durch nicht beheizte Räume oder bei Berührung mit brennbaren Konstruktionen (natürlich unter Einhaltung der Mindestabstände gemäß Norm).

Die Abgasrohrleitung im Zweiröhrensystem muss überall isoliert werden, wo sie durch nicht beheizte Räume führt – andernfalls würden die Abgase zu schnell abkühlen und Kondensat an unerwünschten Stellen entstehen. Eine richtige Isolierung verhindert auch Wärmeverluste und reduziert das Risiko von Kondensationen an der äußeren Schicht der Rohrleitung in warmen beheizten Räumen (im Gegenteil – eine kalte Rohrleitung in einem warmen Raum „schwitzen“).

Druckausgleich und Windbeeinflussung

Hier ist einer der weniger diskutierten, aber praktisch wichtigen Aspekte: Das Koaxialsystem ist druckausgeglichen. Da die Luft an derselben Stelle zugeführt wird, an der die Abgase abgeführt werden, wirkt der Wind auf beide Rohre gleichzeitig und gleich. Wenn der Wind den Widerstand beim Abgasabzug erhöht, erhöht er gleichzeitig auch den Druck beim Luftzufuhr – die Effekte gleichen sich teilweise aus und der Kessel arbeitet stabil.

Beim Zweiröhrensystem sind die Austrittsöffnungen an verschiedenen Stellen, weshalb es zu Druckungleichgewichten bei starkem Wind kommen kann. Moderne Brennwertkessel mit elektronisch gesteuertem Lüfter können damit bis zu einem gewissen Grad umgehen (Drehzahlregelung), doch bei extremen Bedingungen (Sturmböen über 15 m/s) kann das Zweiröhrensystem Instabilitäten im Brennvorgang zeigen. Deshalb ist es wichtig, die Austrittsöffnungen für Luft und Abgase so zu platzieren, dass sie sich im gleichen Druckbereich befinden – idealerweise auf derselben Seite des Gebäudes oder zumindest in benachbarten Fassadenbereichen.

Vergleich bei der Installation und Kosteneffizienz

Kriterium Koaxialsystem Zweiröhrensystem
Anzahl der Öffnungen in Wand/Dach 1 Öffnung 2 Öffnungen
Max. Länge der Leitung (orient.) 5–15 m 20–40+ m
Kosten des Materials (vergleichbare Leitung) Niedriger Höher (2 Rohre)
Montageaufwand Einfacher Komplexer
Flexibilität der Leitung Eingeschränkt Hoch
Druckausgleich (Wind) Natürlicher Erfordert sorgfältigen Entwurf
Eignung für Kaskadenanschluss Eingeschränkt Ideal
Kondensatbehandlung Automatisch zurück zum Kessel Gefälle der Abgasrohrleitung

Praktische Szenarien aus echten Kundenaufträgen

Szenario 1: Panelbauwohnung, 3. Stock, Heizung in der Küche

Der Kunde wollte die alte Heizung in der Küche eines Panelbaus durch einen Brennwertkessel ersetzen. Der Kessel blieb an der gleichen Wand, an der ursprünglich der Abluftausgang war – die Entfernung zur Fassade betrug 35 cm. Lösung: eindeutig eine koaxiale Anschlussleitungsanordnung 60/100 mm mit waagrechtem Austritt, konkret Protherm Anschlussleitungsanordnung waagrecht 60/100 mm – 0,8 m, S1KP. Die Montage dauerte 3 Stunden, ein Loch in der Wand, minimale Eingriffe in die Konstruktion. Wirtschaftlich und technisch optimale Lösung.

Szenario 2: Einfamilienhaus, Heizraum im Keller, 11 m von der Außenwand entfernt

Hier war eine koaxiale Leitung von Anfang an ausgeschlossen – die Gesamtequivalentlänge (11 m gerader Abschnitte + 2× Knie 45° = zusätzliche ca. 2 m Equiv.) hätte die maximal zulässigen Werte für jedes koaxiale System überschritten. Vorgeschlagene Lösung: ein Zweiröhrensystem 2× 80 mm, Abgase nach oben durch Mauerwerk in den ursprünglichen Schornsteinausgang (Einlage DN80), Luftzufuhr über eine separate Rohrleitung (Ø 80 mm) durch eine andere Wand des Heizraums. Es ist wichtig zu betonen: Beim Zweiröhrensystem muss die Austrittsöffnung für die Zuluft so platziert sein, dass sie frische Luft aus dem Freien ansaugt, nicht aus der technischen Räume (sonst würde der Heizung die warme Luft, die er selbst erzeugt, „wegnehmen“ und die Effizienz würde sinken).

Szenario 3: Heizraum mit zwei Kesseln in Kaskade (Wohnhaus mit 12 Wohnungen)

Zwei Brennwertkessel 2× 24 kW in Kaskade. Jeder Kessel hat seine eigene Abgasrohre Ø 80 mm, beide sind in einen gemeinsamen Verteiler (Manifold) eingekuppelt und von dort führt ein einziges Rohr Ø 100 mm vertikal nach oben durch den Schornstein. Die Zuluft für beide Kessel wird über ein gemeinsames Rohr Ø 100 mm von der Fassade herbeigebracht und durch einen Verteiler auf beide Kessel verteilt. Für diesen Anschlusstyp dient ein Bauteil wie Protherm Aufteiler für zwei Rohre Ø 2 x 80 mm R2KP. Eine solche Lösung ließe sich mit einem koaxialen System einfach nicht realisieren.

Szenario 4: Chalet, Heizung neben Balkontür

Der Kunde wollte sparen und vorschlug, die koaxiale Rohrleitung durch die Balkontür zu führen, befestigt am Rahmen. Dies ist absolut unzulässig – außer den Sicherheitsrisiken (Abgase im Innenraum bei jeder undichten Stelle) ist dies auch im Widerspruch zur Norm STN EN 13384 und den Herstellerangaben. Richtiges Vorgehen: Bohrung durch das Mauerwerk neben der Tür, kurze koaxiale Anschlussleitungsanordnung mit Fassadenkopf.

Entscheidungsdiagramm: Koaxial vs. Zweiröhren START Ist die Leitung kürzer als 6 m und maximal mit 2 Kniestücken? JA NEIN Ist es ein Kessel (keine Kaskade)? JA KOAXIAL NEIN ZWEIRÖHRE ZWEIRÖHRE

Normen, Sicherheit und Genehmigung der Installation

Die Installation der Abgasleitung eines Brennwertkessels wird in der Slowakei hauptsächlich durch die Normen STN EN 13384-1 (statischer Berechnung von Abgasrohren), STN EN 15287 (Planung, Montage und Inbetriebnahme) und die verbindlichen Vorgaben des Kessels hergestellt. Jeder Kesselhersteller (Protherm, Vaillant, Buderus, Viessmann und andere) gibt seine eigene Installationsdokumentation heraus, in der präzise definiert sind:

  • Maximale äquivalente Längen für jeden Abgasleitungs-Typ
  • Erlaubte Typen und Materialien der Abgasrohre (meist Kunststoff PP für Brennwertkessel, nicht verkleidetes Blech)
  • Minimale Abstände zu Fenstern, Türen, Ecken des Gebäudes und zur Ventilation
  • Anforderungen an die Dichtheit der Verbindungen (Dichtheitsklasse T400 N1 D 3 G für die meisten Brennwertanwendungen)
  • Voraussetzungen für die gemeinsame Führung mehrerer Kessel

Aus Sicherheitsgründen ist bei beiden Systemen die richtige Dichtheit jedes Verbindungsstücks absolut entscheidend – selbst der geringste Abgasleckage in den Innenraum kann zu einer Kohlenmonoxidvergiftung (CO) führen, das unsichtbar und geruchlos ist. Deshalb wird auch ein Drucktest des gesamten Systems nach der Montage verlangt. Mehr zu den Problemen von Leckagen und häufigen Fehlern können Sie im Artikel Häufige Fehler und Abgasleckagen bei Abgasleitungen von Brennwertkesseln im gleichen Wissenszentrum nachlesen.

Die Abgasleitung muss immer mit dem konkreten Kessel kompatibel sein – Hersteller akzeptieren keine Garantie bei der Verwendung von nicht kompatiblen Komponenten. Über die Kompatibilität der Abgasleitung mit dem Kessel erfahren Sie mehr im Artikel Kompatibilität der Abgasleitung mit dem Kessel: Protherm, Vaillant und andere Marken.

Material der Rohre: Kunststoff PP vs. Edelstahl vs. Aluminium

Brennwertkessel arbeiten mit Abgastemperaturen typischerweise 40–80 °C (im Brennwertmodus auch weniger), was die Verwendung von Kunststoffkomponenten (Polypropylen, PP) ermöglicht. Kunststoff ist günstiger, leichter, unterliegt keiner Korrosion und ist beständig gegen Kondensat mit niedrigem pH-Wert (typisch 3,5–5,5). Für beide Systeme – koaxial und Zweiröhren – gilt PP heute als Standardlösung bei Brennwertkesseln.

Edelstahlrohre werden bei klassischen (nicht-Brennwert-) Kesseln oder bei Einbau in bestehende gemauerte Schornsteine verwendet, bei denen die Widerstandsklasse T200 oder höher erforderlich ist. Bei Brennwertkesseln, die in den Schornstein geführt werden, muss jedoch ein speziell dichter, kondensatbeständiger Edelstahl (Klasse W2 oder V2) verwendet werden, nicht der gewöhnliche Kesselleitungs-Edelstahl.

Aluminiumrohre (meist nur der äußere Mantel des Koaxials) werden häufig als Kompromiss verwendet – leichter als Edelstahl, fester als Kunststoff, aber anfälliger für Korrosionsschäden bei langfristigem Kontakt mit saurem Kondensat. Deshalb wird heute bei reinen Brennwertanwendungen PP auch für die innere Rohrleitung bevorzugt.

Was beeinflusst die Auswahl des Durchmessers: 60/100 oder 80/125 mm?

Die Auswahl des Durchmessers ist nicht nur eine Frage der Präferenz – es handelt sich um eine rechnerische Angelegenheit. Grundregeln:

  • Koaxialrohr 60/100 mm: Kessel bis ca. 24 kW, Strecken bis 5–6 m äquivalenter Länge, max. 2 Knicke zu 90°
  • Koaxialrohr 80/125 mm: Kessel 24–35 kW oder Strecken 6–15 m, mehrere Knicke
  • Zweiröhriges System 2× 80 mm: Praktisch alle Leistungen bis 45 kW eines Kessels, Strecken bis 30–40 m
  • Zweiröhriges System 2× 100 mm: Höhere Leistungen oder Kaskadenanordnungen mit langen Strecken

Weitere Informationen zum Dimensionieren der Durchmesser finden Sie im Artikel Welcher Durchmesser des Abgasrohrs ist notwendig: 60/100 oder 80/125 mm. Wenn Sie von einem Koaxialsystem mit einem Durchmesser auf einen anderen wechseln oder eine bestehende Leitung mit anderem Durchmesser anschließen müssen, dienen hierzu Reduzieradapter – beispielsweise Protherm-Adapter für Abgasrohre 80/125 mm A25KP.

Kombinierte Lösungen: Wann wird ein hybrider Ansatz verwendet

In der Praxis stoßen wir manchmal auf sogenannte hybride oder kombinierte Lösungen – der Kessel ist über einen Koaxialadapter angeschlossen, doch dahinter (oder davor) ist das System unterbrochen und jede Leitung verläuft danach getrennt. Dieser Ansatz wird verwendet, wenn die Strecke in der Nähe des Kessels einen Koaxialanschluss ermöglicht (z. B. ein Durchgang durch eine Technikschacht), doch weiter entfernt ist es vorteilhafter, die Leitungen getrennt zu führen (z. B. jede durch eine andere Schacht).

Ein solcher hybrider Anschluss erfordert eine genaue hydraulische Berechnung und muss vom Kesselersteller genehmigt sein – nicht alle Hersteller erlauben das. Bei Kesseln von Protherm ist dieser Vorgang unter der Bedingung möglich, dass die Gesamtwiderstände die im technischen Dokument des Kessels definierten Grenzen nicht überschreiten. Für eine korrekte Verbindung zwischen dem koaxialen Ausgang des Kessels und dem Zweiröhrensystem dienen spezielle Übergangselemente.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein koaxiales System sicherer als ein Zweiröhrensystem?

Beide Systeme sind gleich sicher, sofern sie richtig geplant, installiert und gewartet werden. Das koaxiale System hat eine gewisse natürliche Vorteil darin, dass Luft und Abgase physisch voneinander getrennt sind in einem Körper, wodurch das Risiko von Abgasaustritten in den Raum verringert wird (nur ein Körper durchquert die Wand). Das Zweiröhrensystem hingegen enthält mehrere Verbindungen, wobei jede Verbindung ein potenzielles Leckstellen sein kann – daher ist die Qualität der Montage umso wichtiger. In der Praxis entscheidet vor allem die Richtigkeit der Installation, nicht der Typ des Systems.

Kann ich ein koaxiales System in ein Zweiröhrensystem umstellen, ohne den Kessel zu ersetzen?

Ja, das ist möglich, sofern der Kessel beide Abzugstypen unterstützt (was bei den meisten modernen Brennwertkesseln der Fall ist). Dazu sind entsprechende Adapter erforderlich – z. B. ein Adapter, der den koaxialen Ausgang des Kessels trennt und das getrennte Führen der Leitungen ermöglicht. Der Hersteller des Kessels muss solch eine Lösung genehmigen, und wir empfehlen, dies von einem autorisierten Service-Techniker überprüfen zu lassen. In einigen Fällen ist auch eine Änderung der Einstellungen der Steuereinheit des Kessels (Luftzufuhr) erforderlich.

Was passiert, wenn der Abgasrohr zu lang für ein koaxiales System ist?

Ein zu langes oder zu viele Knicke im koaxialen System führen zu einem erhöhten hydraulischen Widerstand. Der Kessel erkennt dies typischerweise als unzureichenden Luftdurchfluss – moderne Kessel mit IoT und Diagnose zeigen dies als Fehlercode an (z. B. F.33 bei Protherm, F62 bei Vaillant). Im schlimmsten Fall (bei älteren Kesseln ohne ausreichende Schutzmaßnahmen) kann es zu unvollständiger Verbrennung und erhöhter CO-Bildung kommen. Deshalb darf man niemals die maximal erlaubten Längen überschreiten, die in der Dokumentation des Kessels angegeben sind.

Kann ich ein gemeinsames Zweiröhrensystem für zwei Kessel nebeneinander verwenden?

Ja, aber nur bei sogenannten gemeinsamen (gemeinschaftlichen) Abzügen, die von Anfang an für mehrere Geräte geplant werden müssen. Jeder Kessel muss seine eigene Abgaszweigleitung in einen gemeinsamen Sammelrohr mit ausreichendem Querschnitt einmünden. Die Luftzufuhr kann gemeinsam sein, muss aber für den gleichzeitigen Betrieb aller Kessel ausreichend dimensioniert sein. Dieses System unterliegt speziellen Normen (STN EN 15287-2 für gemeinsame Abgasrohre) und muss berechnet werden. Ein willkürliches Anschließen eines zweiten Kessels an den bestehenden Abzug des ersten Kessels ist gefährlich und unzulässig.

Wie kann ich feststellen, welcher Abzug aktuell installiert ist?

Am einfachsten ist es, sich den Ausgang des Kessels und den Durchgang durch die Wand oder die Decke anzusehen. Wenn Sie eine einzige Leitung (Kreis in Kreis oder eine zweischalige Leitung) durch einen einzigen Durchgang sehen – handelt es sich um ein koaxiales System. Wenn Sie zwei getrennte Leitungen (gleichen oder unterschiedlichen Durchmessers) durch zwei verschiedene Öffnungen sehen – handelt es sich um ein Zweiröhrensystem. Bei Zweifeln konsultieren Sie die technische Dokumentation des Kessels oder rufen Sie einen Servicetechniker an.

Beeinflusst der Abzugstyp den Gasverbrauch und den Wirkungsgrad des Kessels?

Direkt nicht – bei richtiger Dimensionierung ermöglichen beide Systeme eine vollständige Kondensationsbetrieb mit gleicher Effizienz. Indirekt jedoch schon: Wenn das koaxiale System zu lang ist und den Widerstand erhöht, arbeitet der Kessel mit erhöhter Leistung des Lüfters (höherer Stromverbrauch) und kann Probleme mit der Erreichung des optimalen Lambda-Werts haben. Ebenso kann bei einem Zweiröhrensystem eine schlechte Druckausgewogenheit bei Wind vorübergehend die Verbrennungsqualität verschlechtern. Der Schlüssel ist eine richtige Überdimensionierung und eine qualitativ hochwertige Installation.


Fazit: Welches System ist also besser?

Die Antwort ist klassisch technisch: Es hängt von den konkreten Bedingungen ab. Das koaxiale System ist einfacher, günstiger und hervorragend für kurze Strecken in Wohnungen und kleineren Häusern geeignet. Das Zweiröhrensystem ist flexibler, leistungsfähiger bei langen Strecken und unerlässlich bei Kaskadenanordnungen oder komplizierten Raumaufteilungen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches System für Ihren konkreten Fall das richtige ist, beginnen Sie mit einem Projekt oder einer Beratung durch einen Spezialisten. Wichtig ist immer, die maximalen äquivalenten Längen einzuhalten, die vom Hersteller definiert sind, die Durchmesser korrekt zu dimensionieren und nur kompatible Komponenten mit Ihrem Kessel zu verwenden. Informationen zur Auswahl des richtigen Abzugs finden Sie auch im Artikel Wie man den Abzug für einen Brennwertkessel auswählt, zum Installationsverfahren dann im Artikel Wie man den Abgasrohr eines Brennwertkessels Schritt für Schritt installiert.

Der gesamte Sortiment an Komponenten für beide Systemtypen – von Adaptern über Komplettsets, Knicke, Muffen bis hin zu Fassadenköpfen – finden Sie in der Kategorie Abgasrohre und Abzüge auf Atria.sk.

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