Wie viel spart ein Brennwertkessel gegenüber dem alten Kessel
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Der Austausch eines alten Heizkessels gegen einen Brennwertkessel gehört zu den Maßnahmen, die sich am ehesten an den Heizkosten der Haushaltsrechnung widerspiegeln – und gleichzeitig zu den Themen, bei denen die unterschiedlichsten Zahlen kursieren. Jemand verspricht halbe Rechnungen, ein anderer spricht von ein paar Prozent. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und vor allem: sie ist sehr individuell. In diesem Artikel erklären wir, warum ein Brennwertkessel überhaupt spart, von welchen Faktoren die reale Einsparung abhängt, und zeigen Ihnen eine grobe Schätzungsmethode sowie eine grobe Renditeberechnung – ohne Ihnen eine magische Zahl zu versprechen, die wir für keinen konkreten Haushalt garantieren können.
Warum ein Brennwertkessel überhaupt spart – der Prinzip in Kürze
Um Einsparungen zu verstehen, muss man zuerst begreifen, wo genau sie entstehen. Beim Verbrennen von Erdgas entsteht neben Wärme auch Wasserdampf (ein Produkt der Verbrennung des im Gas enthaltenen Wasserstoffs). Dieser Dampf trägt sogenanntes Kondensationswärme – Wärme, die freigesetzt wird, sobald der Dampf kondensiert und zurück zu Wasser wird, ähnlich wie sich ein kühles Fenster beim Kochen beschlägt.
Ein klassischer (atmosphärischer, bzw. Turbo-)Kessel lässt diesen Dampf einfach über den Schornstein nach außen entweichen – zusammen mit ihm verlässt auch die darin enthaltene Energie. Deshalb haben alte Kessel eine reale Betriebswirkungsgrad von ungefähr 88 – 92 % im Verhältnis zur Brennwärme des Gases.
Ein Brennwertkessel ist genau umgekehrt konzipiert – er kühlt die Abgase gezielt so weit ab, dass der enthaltene Wasserdampf direkt im Wärmetauscher kondensiert und die freigesetzte Wärme nochmals zur Aufheizung des Heizwassers genutzt wird. Dadurch kann er eine Wirkungsgrad von 105 – 109 % im Verhältnis zur Brennwärme erreichen (eine Zahl über 100 % ist kein Fehler – es ist nur eine andere Art der Berechnung, die bei Brennwerttechnik üblich ist, da sie sich auf eine andere Referenzenergie des Brennstoffs bezieht).
Der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen – also ungefähr 15 bis 20 Prozentpunkte Wirkungsgrad – bildet die Grundlage, von der potenzielle Einsparungen abgeleitet werden. Dies ist jedoch nicht der einzige Faktor, der letztendlich entscheidet, wie viel Sie tatsächlich an der jährlichen Gasrechnung sparen. Dazu kommen wir in der nächsten Abschnitt.
Orientierender Bereich des Betriebswirkungsgrades im Verhältnis zur Brennwärme des Gases. Konkrete Werte hängen vom Modell, der Einstellung und der Heizungsanlage ab – es handelt sich nicht um garantierte Zahlen für jedes Haus.
Ein Beispiel für einen modernen Brennwertkessel, der eine Wirkungsgrad im oberen Bereich des genannten Bereichs erreicht:
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Protherm Gepard Condens 18/25 MKV – ein kompakter Brennwertkessel, der als typische Alternative für einen älteren Atmosphärendruckkessel in der Wohnung oder im Einfamilienhaus geeignet ist. Preis ab 1.322,00 €. |
Was davon abhängt, wie viel Sie tatsächlich sparen
Der prozentuale Unterschied im Wirkungsgrad ist nur eine theoretische Obergrenze. Die reale Einsparung auf der Gasrechnung variiert in der Praxis von Haus zu Haus, manchmal sogar erheblich. Hier sind die wichtigsten Faktoren, die sie beeinflussen.
Alter und Zustand des alten Kessels
Dies ist mit Abstand der stärkste Faktor. Wenn Sie einen Kessel austauschen, der 20 oder mehr Jahre alt ist, oder der verschmutzt, schlecht eingestellt oder ohne regelmäßigen Service ist, kann seine reale Wirkungsgrad sogar niedriger sein als die erwähnten 88 – 92 % (ältere Kessel verlieren typischerweise an Wirkungsgrad durch Ablagerungen im Wärmetauscher und schlechtere Verbrennungsregelung). In solchen Fällen ist der Unterschied gegenüber einem neuen Brennwertkessel größer und somit auch die potenzielle Einsparung höher. Gegenüber hingegen, wenn Sie einen relativ jungen, gut gewarteten Turbo-Kessel austauschen, ist der Unterschied meist geringer.
Typ der Heizkörper
Die Kondensation (also das „extra“ Wärme aus dem Dampf) wird im Wärmetauscher am effektivsten freigesetzt, wenn das Rücklaufwasser (das aus dem Heizkreislauf zurückkehrende Wasser) möglichst kalt in den Kessel zurückkehrt – idealerweise unter ca. 55 °C. Genau deshalb:
- Fußbodenheizung, die mit niedrigen Heizwassertemperaturen arbeitet (typisch 30 – 40 °C), ermöglicht dem Kessel, fast die gesamte Heizperiode kondensierend zu arbeiten – die Einsparung ist hier meist höher. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Fußbodenheizung und Brennwertkessel.
- Heizkörper, insbesondere ältere überdimensionierte oder umgekehrt unterdimensionierte, erfordern oft höhere Heizwassertemperaturen (60 °C und mehr), bei denen der Raum zur Kondensation kleiner ist – der Kessel spart zwar immer noch gegenüber dem alten, der Effekt kann aber geringer sein. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Heizkörper und Brennwertkessel.
Witterungsgeführte Regelung
Ein Brennwertkessel kann sein volles Potenzial nur dann nutzen, wenn er mit möglichst niedrigen Heizwassertemperaturen arbeitet, die dennoch ausreichen, um den Raum bei der aktuellen Außentemperatur zu beheizen. Genau das übernimmt die witterungsgeführte Regelung – sie passt die Wassertemperatur automatisch an die Außentemperatur an, anstatt den Kessel immer auf Volllast zu betreiben, wenn das nicht nötig ist. Ohne sie wird ein Teil des Potenzials der Brennwerttechnik einfach nicht genutzt. Die Installation einer witterungsgeführten Regelung gleichzeitig mit dem Kesselaustausch ist daher eine der häufigsten Möglichkeiten, um zusätzlich zur Einsparung durch den Austausch selbst noch etwas hinzuzugewinnen.
Isolierung und Wärmeverluste des Hauses
Je höher die Wärmeverluste des Hauses sind (alte Fenster, ungedämmte Wände und Dächer), desto mehr Gas wird insgesamt verbrannt – und somit kann die absolute Einsparung in Euro bei gleicher prozentualer Verbesserung der Wirkungsgrad höher sein, einfach weil sie von einer höheren Grundlage kommt. Gegenüber hingegen, in einem gut gedämmten Haus ist die Gesamtabnutzung geringer, weshalb die Einsparung in Euro (obwohl prozentual ähnlich) in absoluten Zahlen geringer sein kann.
Art der Nutzung und Einstellung
Sogar der beste Kessel kann „verlieren“ einen Teil seines Potenzials, wenn er falsch eingestellt ist – beispielsweise eine zu hohe Heizwassertemperatur ohne Notwendigkeit, eine schlecht eingestellte witterungsgeführte Regelungskurve oder vernachlässigte regelmäßige Wartung. Eine korrekte Einstellung nach der Installation und anschließende Sorgfalt sind daher ein Teil davon, um die theoretische Einsparung auch in die reale Rechnung zu übertragen. Dem Thema widmen wir uns detaillierter im Artikel Gasverbrauch und Einsparung beim Heizen.
Beispielhafte Schätzung der Einsparung
Weil ein exaktes Prozent nicht ohne Kenntnis des konkreten Hauses garantiert werden kann, zeigen wir Ihnen zumindest den Prinzip, wie Sie sich Ihre eigene grobe Schätzung machen können.
Nehmen wir an, eine Haushalt verbraucht beispielsweise 800 € pro Jahr für Gas zum Heizen und Warmwasser mit einem alten Kessel (die Zahl dient nur der Illustration des Verfahrens, nicht als Empfehlung oder typische Zahl). Wenn wir nach den oben beschriebenen Faktoren abschätzen, dass diese Haushalt in die mittlere Gruppe fällt (älterer, aber nicht extrem vernachlässigter Kessel, Heizkörper, ohne witterungsgeführte Regelung), könnten wir mit einem Schätzungsrahmen von 15 – 30 % jährlicher Einsparung arbeiten. Das würde in unserem Modellbeispiel eine grobe Einsparung von ca. 120 – 240 € pro Jahr bedeuten.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um einen beispielhaften Berechnung mit beispielhaften Eingangsdaten handelt, nicht um eine Prognose für Ihren konkreten Haustyp. Ihre tatsächliche Einsparung kann niedriger sein (z. B. wenn Sie bereits einen relativ modernen Heizkessel haben) oder umgekehrt höher (z. B. bei einem sehr alten Heizkessel in Kombination mit einer Fußbodenheizung und einer neuen witterungsgeführten Regelung). Der einzige verlässliche Weg, um die genaue Zahl für Ihr Zuhause zu ermitteln, ist die Vergleichung des tatsächlichen Verbrauchs über einen längeren Zeitraum nach dem Austausch, alternativ ein Energiegutachten von einem Fachmann, der alle Parameter Ihres Gebäudes kennt.
Investitionsrendite – wie man daran denken sollte
Die Rendite wird einfach nach dem Prinzip berechnet:
(Preis des Heizkessels + Montage) ÷ jährliche Einsparung in € = ungefährige Amortisationszeit in Jahren
Wenn beispielsweise der komplette Austausch einschließlich Montage eine bestimmte Summe kostet und die jährliche Einsparung (nach dem oben beschriebenen Prinzip) im Bereich mehrerer hundert Euro liegt, würde sich die Amortisationszeit im Bereich von Einern bis niedrigen Zehnern bewegen – die genaue Zahl ist wiederum stark individuell und hängt von dem Preis des konkreten Heizkessels, der Komplexität der Montage (z. B. ob auch der Abfluss des Kondensats oder eine neue Schornsteinschale gelöst werden müssen) und von der tatsächlichen Höhe der Einsparung ab.
Beim Denken über die Rendite sollte man auch bedenken, dass:
- ein alter Heizkessel eine begrenzte verbleibende Lebensdauer hat und bei dessen Defekt Sie gezwungen sein könnten, den Austausch schnell durchzuführen, ohne Angebote zu vergleichen,
- ein neuer Heizkessel auch ein geringeres Risiko von Störungen und Servicekosten in den nächsten Jahren bedeutet,
- ab einem bestimmten Alter des Heizkessels selbst Ersatzteile schwerer beziehungsweise teurer zu beziehen sein können.
Die Rendite ist also nicht das einzige Kriterium bei der Entscheidung – sie ist nur eine Sichtweise. Eine umfassendere Zusammenfassung darüber, wann sich ein Austausch lohnt (und wann es hingegen Sinn macht, abzuwarten), finden Sie im Artikel Lohnt sich der Austausch eines alten Gasheizkessels gegen einen Brennwertkessel?
Was noch die Einsparung erhöhen kann
Der Austausch des Heizkessels ist der größte Einzelakt, kann aber durch Maßnahmen ergänzt werden, die das Potenzial der Brennwerttechnik optimal ausschöpfen:
- Witterungsgeführte Regelung – wie bereits erwähnt, passt sie die Temperatur des Heizwassers automatisch an die Außentemperatur an, wodurch der Heizkessel häufiger im Brennwertbetrieb arbeitet.
- Thermostatköpfe an Heizkörpern – ermöglichen die Temperaturregulierung in einzelnen Räumen und verhindern überflüssiges Überheizen.
- Hydraulische Auslegung des Systems – sorgt dafür, dass die Wärme gleichmäßig verteilt wird und der Heizkessel nicht durch Ungleichgewichte mit höherer Wassertemperatur kompensieren muss.
- Fußbodenheizung dort, wo möglich (z. B. bei einer Renovierung) – wie erwähnt, ist ein Niedertemperatursystem ideal für Brennwerttechnik.
Ein Beispiel für eine einfache, preisgünstige Ergänzung, die noch zusätzlich zur Einsparung beitragen kann:
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Vaillant VRT 50 – witterungsgeführter Raumthermostat, der dem Heizkessel hilft, mit der niedrigsten möglichen Heizwassertemperatur zu arbeiten und so den Brennwerteffekt über einen größeren Teil der Heizperiode zu nutzen. Preis ab 71,64 €. |
Weitere Informationen dazu, wie die Regelung funktioniert und was alles beeinflussen kann, finden Sie im Artikel Thermostat und witterungsgeführte Regelung des Heizkessels.
Zusammenfassung
Ein Brennwertkessel spart, weil er auch einen Teil der Wärme nutzen kann, die ein alter Kessel einfach über den Schornstein als Wasserdampf verliert. Der Unterschied im Wirkungsgrad (ungefähr 88 – 92 % gegenüber 105 – 109 % bezüglich der Heizwertbrennwert) ist jedoch nur eine theoretische Grundlage – wie viel Sie tatsächlich sparen, hängt vom Alter und Zustand des ursprünglichen Kessels, dem Typ der Heizkörper, der Anwesenheit einer witterungsgeführten Regelung, der Dämmung des Hauses und davon ab, wie das System eingestellt und genutzt wird. Schätzungsweise spricht man von einer Einsparung im Bereich von 15 – 30 % der jährlichen Kosten für Gasheizung, doch für Ihr konkretes Zuhause kann die Zahl niedriger oder höher sein – der einzige verlässliche Weg, das herauszufinden, ist die Vergleichung des tatsächlichen Verbrauchs oder eine Beratung mit einem Fachmann, der die Parameter Ihres Hauses kennt.
Fünf Faktoren, die im Artikel oben besprochen wurden.
Gleicher illustrativer Beispiel, den wir im Text oben erläutern.
Einfacher Prinzip der Renditeberechnung.
Häufig gestellte Fragen
- Sparr ein Brennwertkessel immer mindestens 20 %? Nein, diese Zahl ist nicht für jedes Haus garantiert. Die Einsparung hängt von mehreren Faktoren ab (Alter des alten Kessels, Heizkörper, Regelung, Dämmung) und kann im konkreten Fall niedriger oder höher liegen als das üblicherweise angegebene Orientierungsintervall.
- Lohnt sich ein Brennwertkessel auch mit Heizkörpern, wenn er angeblich am besten mit Fußbodenheizung arbeitet? Ja, ein Brennwertkessel spart gegenüber dem alten Kessel auch bei Heizkörpern – der Kondensations-Effekt wird zwar nicht in dem Maße genutzt wie bei der niederflutigen Fußbodenheizung, aber der Kessel ist auch in diesem Fall deutlich effizienter als der alte atmosphärische Typ. Mehr dazu im Artikel über Heizkörper und Brennwertkessel.
- Reicht es, nur den Kessel zu ersetzen, oder muss man auch die Leitungen ändern? In den meisten Wohnungs- und Einfamilienhausanlagen kann ein Brennwertkessel an die bestehenden Leitungen und Heizkörper angeschlossen werden, ohne diese auszutauschen. Durch Anpassung der Leitungen (z. B. hydraulische Ausbalancierung) oder Ergänzung einer witterungsgeführten Regelung kann man jedoch zusätzliche Einsparungen erzielen.
- Wie lange dauert es, bis sich die Investition in einen neuen Kessel amortisiert? Das hängt von der Kessel- und Montagekosten sowie von der Höhe der tatsächlichen jährlichen Einsparung in Ihrem Haus ab – eine genaue Berechnung finden Sie im Abschnitt zur Amortisation oben. Generell gilt: Je älter und weniger effizient der ursprüngliche Kessel war, desto schneller ist die Amortisation.
- Macht es Sinn, den Kessel zu wechseln, wenn er noch funktioniert? Das kann vor allem bei sehr alten oder vernachlässigten Kesseln Sinn ergeben, bei denen der Effizienzunterschied groß ist und bei denen zudem das Risiko von Störungen und Unverfügbarkeit von Ersatzteilen besteht. Bei einem relativ jungen, gut gepflegten Kessel kann es hingegen sinnvoller sein, abzuwarten – eine individuelle Bewertung finden Sie im separaten Artikel über die Frage, wann sich ein Wechsel lohnt.
- Beeinflusst die Größe (Leistung) des Kessels die Höhe der Einsparung? Falsch dimensionierte Kessel (zu groß oder zu klein) können die Effizienz der Betriebsweise unabhängig vom Kesseltyp verringern. Die richtige Leistung im Verhältnis zu den Wärmeverlusten des Hauses ist daher eine wichtige Voraussetzung, um das theoretische Potenzial der Brennwerttechnik voll auszuschöpfen.
Verwandte Themen
- Lohnt sich der Austausch eines alten Gasheizkessels gegen einen Brennwertkessel?
- Thermostat und witterungsgeführte Regelung des Kessels
- Fußbodenheizung und Brennwertkessel
- Gasverbrauch und Einsparung bei der Heizung
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