Brennwertkessel vs. konventioneller Kessel – lohnt sich der Aufpreis für Kondensation
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Brennwertkessel vs. konventioneller Kessel – lohnt sich der höhere Preis für Kondensation?
Diese Frage gehört zu den am häufigsten gestellten, wenn es darum geht, eine neue Wärmequelle auszuwählen. Der Kunde kommt herein, vergleicht zwei Angebote – einen Brennwertkessel für 900–1 400 € und einen konventionellen Kessel für 400–600 € – und fragt, ob sich dieser Preisaufpreis jemals in Einsparungen auszahlt. Die Antwort ist nicht einfach und hängt von der konkreten Situation ab, kann aber sehr genau berechnet und begründet werden. Dieser Artikel gibt Ihnen das komplette Bild: Wie funktionieren beide Typen, wo liegt der physikalische Grund der Einsparung, wann lohnt sich Kondensation wirklich und wann ist es überflüssiger Luxus.
Wie funktioniert ein konventioneller Kessel – und wo verliert er Energie
Ein konventioneller Kessel (auch atmosphärischer oder niederfließender Kessel genannt) verbrennt Erdgas, Propan oder andere Brennstoffe und gibt die beim Verbrennen entstandene Wärme an das Heizwasser ab. Die Abgase, die entstehen, verlassen den Schornstein nach außen. Und hier liegt das Problem: Diese Abgase müssen heiß genug sein – meist 120–180 °C –, damit der Schornstein richtig zieht und sich keine Feuchtigkeit im Schornstein kondensiert (was die Mauerung beschädigen würde).
In der Dampfphase, die beim Verbrennen von Erdgas entsteht, ist eine enorme Energie gespeichert. Wir sprechen vom sogenannten Verdampfungswärme (latenten Kondensationswärme). Wenn 1 m³ Erdgas verbrannt wird, entsteht dabei etwa 1,6 Liter Wasser in Form von Dampf. Dieser Dampf verlässt den Schornstein nach außen und nimmt Energie mit, die etwa 11 % der gesamten Heizwert des Brennstoffs entspricht. Der konventionelle Kessel gibt diese Energie einfach weg.
Der Wirkungsgrad eines konventionellen Kessels liegt zwischen 82 und 90 %. Modernere niederfließende Kessel erreichen den oberen Bereich dieses Bereichs, während alte atmosphärische Geräte aus den 90er Jahren meist bei 78–83 % liegen. Hersteller geben den Wirkungsgrad bei Nennleistung und unter idealen Bedingungen an – in der realen Betriebsweise ist er meist niedriger.
Wie funktioniert ein Brennwertkessel – die Physik hinter den Zahlen
Ein Brennwertkessel ist so konzipiert, dass er die Abgase auf eine Temperatur unter dem Taupunkt abkühlt – also unter 57 °C bei Erdgas. Wenn die Abgase unter diese Grenze fallen, kondensiert der enthaltene Wasserdampf und gibt die latente Kondensationswärme frei. Diese Wärme fängt der Kessel im Sekundärwärmetauscher ein und gibt sie an das Heizwasser ab. Ergebnis: Der Kessel nutzt nicht nur die Wärme der Verbrennung, sondern auch die Energie, die im Dampf verborgen ist.
Der Wirkungsgrad eines Brennwertkessels wird im Verhältnis zum Heizwert des Brennstoffs (Hs – unterer Heizwert) angegeben und kann über 100 % liegen. Das klingt paradox, ist aber keine Verletzung der physikalischen Gesetze – es gilt einfach, dass Hersteller den Wirkungsgrad im Verhältnis zum niedrigeren Heizwert angeben, und der Kessel nutzt auch die Energie, die dieser Heizwert nicht umfasst. In der Praxis bewegen sich Brennwertkessel im Bereich von 95–110 % Wirkungsgrad gemäß Messstandard, und sie erreichen in der Realität Einsparungen von 15–25 % gegenüber konventionellen Kesseln.
Die entscheidende Voraussetzung für Kondensation: Das Rücklaufwasser des Heizsystems muss eine Temperatur unter dem Taupunkt der Abgase haben – idealerweise unter 50 °C, am besten 35–45 °C. Je Heizkörper das Rücklaufwasser, desto intensiver verläuft die Kondensation und desto höher ist der Wirkungsgrad. Deshalb lieben Brennwertkessel Fußbodenheizung und große Heizkörper – und vertragen sich schlechter mit kleinen, überdimensionierten alten Systemen mit hoher Vorlauftemperatur.
Konkrete Einsparungsberechnung – nicht nur Marketingbehauptungen
Gehe zu den Zahlen. Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit einem Wärmeverlust von 10 kW, einem jährlichen Wärmeverbrauch von 20 000 kWh (einschließlich Warmwasser) und einem Erdgaspreis von 0,08 €/kWh (Heizwert). In der Praxis schwanken die Preise, doch diese Zahl dient als Referenz für die Berechnung.
Klassischer Kessel mit einem Wirkungsgrad von 87 %:
Eigentlicher jährlicher Gasverbrauch = 20 000 / 0,87 = 22 989 kWh
Jährliche Kosten = 22 989 × 0,08 = 1 839 €
Brennwertkessel mit einem Wirkungsgrad von 98 %:
Eigentlicher jährlicher Gasverbrauch = 20 000 / 0,98 = 20 408 kWh
Jährliche Kosten = 20 408 × 0,08 = 1 633 €
Jährliche Einsparung = 206 €. Bei einem Preisdifferenz von 600 € zwischen Brennwert- und Klassikkessel beträgt die Amortisationszeit weniger als 3 Jahre. Bei einer Brennwertkessel-Laufzeit von 15–20 Jahren (was bei ordnungsgemäßer Wartung realistisch ist), sparen Sie über diesen Zeitraum 3 000–4 000 €.
In der Praxis sind die Einsparungen noch höher – bei Häusern mit Fußbodenheizung und Niedertemperatursystem arbeitet der Brennwertkessel mit einem Wirkungsgrad von 104–108 %, was die jährliche Einsparung auf 300–400 € im gleichen Beispiel anhebt. In alten Häusern mit Panelheizkörpern eingestellt auf 75/65 °C kann die Einsparung nur 8–12 % betragen, was die Amortisationszeit verlängert.
Wann sich ein Brennwertkessel am meisten lohnt
Aus der Praxis sind Brennwertkessel eine klare Wahl in folgenden Situationen:
- Fußbodenheizung oder große Heizflächen: Eine Rücklauftemperatur von 30–45 °C ermöglicht eine dauerhafte, intensive Kondensation. Eine Einsparung von 20–25 % gegenüber dem Klassikkessel ist realistisch jede Saison.
- Neubau oder komplette Sanierung der Heizanlage: Wenn Sie ohnehin Leitungen und Heizkörper austauschen, planen Sie das System direkt für Kondensation. Ein Brennwertkessel passt hier logisch hin.
- Gut isoliertes Haus: Ein niedriger Wärmeverlust bedeutet, dass der Kessel im Teilbetrieb läuft – und gerade im Niedrigbetrieb ist die Kondensation intensiv, weil der Kessel mit noch niedrigeren Temperaturen arbeiten kann.
- Ersetzen eines alten Kessels aus den 90er Jahren: Ein alter Kessel mit einem Wirkungsgrad von 78–82 % vs. ein neuer Brennwertkessel mit 98 %+ – der Unterschied ist dramatisch und die Amortisation rasch.
- Häuser mit hohem Verbrauch (über 25 000 kWh/Jahr): Ein höherer Verbrauch = eine höhere absolute Einsparung, kürzere Amortisationszeit der Investition.
Wann Kondensation weniger vorteilhaft ist
Es gibt auch Situationen, in denen die Vorteile des Brennwertkessels geringer sind – und bei denen die Kalkulation sorgfältiger durchgeführt werden muss:
- Alte Niedertemperatursysteme, nicht umgebaut, mit Heizkörpern eingestellt auf 70–80 °C: Kondensation tritt nur bei niedrigen Außentemperaturen ein (wenn der Kessel noch nicht die volle Leistung erreicht). Der Rest des Jahres verläuft Gas durch den Wärmetauscher ohne Kondensation.
- Cabine oder saisonale Gebäude mit niedrigem jährlichen Verbrauch: Bei 5 000 kWh/Jahr und einer Einsparung von 10–15 % sprechen wir über 40–60 € pro Jahr – eine Amortisationszeit von 10–15 Jahren ist kritisch.
- LPG (Propan-Butan) Systeme bei höheren Gaspreisen: Hier ist der primäre Weg zur Einsparung die Reduktion des Gasverbrauchs insgesamt, nicht nur Kondensation.
- Geplante komplette Umstellung auf Wärmepumpe: Wenn Sie in 3–5 Jahren einen Wechsel auf Wärmepumpe planen, lohnt sich die Investition in einen Brennwertkessel möglicherweise nicht.
Technische Unterschiede, die den Betrieb und die Kosten beeinflussen
Abgesehen von der Gasersparnis ist es wichtig, auch andere technische und betriebliche Aspekte beider Kesseltypen zu berücksichtigen.
Wärmetauscher – Material und Kosten bei Defekt
Brennwertkessel haben einen Wärmetauscher aus rostfreiem Stahl oder einer Silikatlegierung (Kupfer-Silizium-Legierung). Diese Materialien sind korrosionsbeständig gegen sauren Kondensat (pH 3–5). Klassische Kessel haben Wärmetauscher aus Kupfer oder Stahl – günstiger, aber Kondensat würde sie beschädigen, weshalb Abgase heiß abgeführt werden müssen. Der Austausch des Wärmetauschers beim Brennwertkessel ist teurer – er liegt zwischen 250 und 600 € für Ersatzteil + Arbeitskosten. Deshalb ist eine regelmäßige Wartung und die Ableitung des Kondensats äußerst wichtig. Dazu mehr im Artikel Kondensat aus dem Kessel – wie man es richtig ableitet und neutralisiert.
Abgasführung – Schornstein vs. Kunststoffrohr
Ein Klassikkessel benötigt einen gemauerten Schornstein mit Saugkraft – das ist ein fester Betriebskostenfaktor (der Schornstein muss gereinigt und repariert werden). Ein Brennwertkessel kann eine doppelmantelige Kunststoffturbo-Abgasführung (koaxial) nutzen, die bei der Installation viel günstiger ist und nicht umgebaut werden muss. Wenn im Haus ein alter gemauerter Schornstein vorhanden ist, kann er beim Brennwertkessel eingefüllt werden – günstiger als ein neuer zu bauen. Detaillierter zu diesem Thema berichten wir im Artikel Abgasführung und Luftzufuhr beim Brennwertkessel.
Regelung und Leistungsmodulation
Moderne Brennwertkessel sind fast immer mit einem modulierenden Brenner ausgestattet – sie können die Leistung kontinuierlich von 20–30 % bis 100 % der Nennleistung regeln. Das hat eine entscheidende Auswirkung auf die Effizienz: Der Kessel schaltet nicht ständig in kurzen Zyklen ein und aus (was Verluste und Verschleiß verursacht), sondern läuft lange Zeit im Niedrigbetrieb – gerade dann, wenn Kondensation am intensivsten ist. Klassische Kessel sind meist einstufig oder zweistufig – entweder auf Volllast oder ausgeschaltet. Jedes Einschalten bringt Wärmeverluste durch das Erwärmen des Kessels mit.
Service und Lebensdauer
Beide Kesselsorten benötigen eine jährliche Wartung. Der Brennwertkessel hat zusätzlich eine Neutralisationsfüllung (falls eingebaut), eine Kondenswanne und einen Siphon – diese Teile müssen kontrolliert und gereinigt werden. Weitere Details finden Sie im Artikel Service und Wartung des Brennwertkessels – wie oft und was beinhaltet sie. Bei richtiger Wartung beträgt die Lebensdauer beider Typen 15–20 Jahre. Brennwertkessel haben mehr elektronische Komponenten – Regler, Modulationsventil, elektronische Zündung – was eine Quelle für Störungen sein kann. Typische Störungen und deren Ursachen beschreibt der Artikel Häufige Störungen von Brennwertkesseln und deren Ursachen.
Übersicht der Kosten – Anschaffung, Betrieb, Service
Für eine transparente Vergleichung erstellen wir eine typische Kalkulation für 15 Jahre Betrieb für ein Einfamilienhaus mit jährlichem Wärmeverbrauch von 20 000 kWh und Gaspreis von 0,08 €/kWh:
| Position | Klassischer Kessel | Brennwertkessel |
|---|---|---|
| Kesselkosten | 400–600 € | 900–1 400 € |
| Installation | 200–350 € | 250–450 € |
| Jährliche Gasausgaben (87 % vs 98 %) | 1 839 € | 1 633 € |
| Jährliche Wartung | 60–90 € | 80–120 € |
| Gesamtkosten in 15 Jahren | ~29 300 € | ~27 000 € |
| Ersparnis Brennwertkessel in 15 Jahren | – | ~2 300 € |
Aus der Tabelle ist zu erkennen, dass der Brennwertkessel in 15 Jahren günstiger ist, auch bei Berücksichtigung der höheren Anschaffungskosten. Das ist noch ohne Berücksichtigung des Faktums, dass der Gaspreis in der Regel steigt – jede Preiserhöhung erhöht den absoluten Wert der Ersparnis durch die höhere Effizienz.
Was sagt die Gesetzgebung – Vorschriften und Förderungen
Seit dem 26. September 2015 gilt die europäische ErP-Richtlinie (Energy-related Products), die faktisch den Verkauf neuer Kessel mit Wirkungsgrad unter 86 % in Klasse B und niedriger verbietet. Praktisch bedeutet das, dass neue klassische atmosphärische Kessel mit Luftzufuhr aus dem Wohnraum (sogenannte Kessel mit offener Brennkammer, abhängig von der Luft aus dem Raum) für viele Anwendungen verboten sind. Auf dem Markt verbleiben hauptsächlich Kessel mit geschlossener Brennkammer und gezwungenem Abzug der Abgase – und die meisten dieser modernen Kessel sind Brennwertkessel.
Auf der Slowake gibt es Förderprogramme für den Austausch alter Kessel gegen neue Brennwertkessel (oder alternativ gegen Wärmepumpen). Die Bedingungen ändern sich jedes Jahr, aktuelle Informationen müssen auf den Seiten der SIEA (Slovenská inovačná a energetická agentúra) überprüft werden. Die Förderungen können 30–50 % der Kesselkosten abdecken, was die Amortisationszeit dramatisch verkürzt – manchmal auf weniger als 12 Monate.
Kombination des Brennwertkessels mit anderen Systemen
Ein Brennwertkessel ist nicht nur eine Alternative zum alten Kessel – er ist ein grundlegender Bestandteil eines modernen Heizsystems, das mit weiteren Technologien kombiniert werden kann:
- Solarthermie: Die Solaranlage erwärmt das Warmwasser vor, der Kessel erwärmt es nur noch. Der Gasverbrauch sinkt um 20–40 % bei der Warmwasserbereitung. Ein Brennwertkessel mit Modulation passt sich besser den wechselnden Belastungen an als ein klassischer Kessel.
- Fußbodenheizung: Ideale Kombination – ein Niedrigtemperatursystem maximiert die Kondensation. Mehr dazu im Artikel Brennwertkessel und Fußbodenheizung – eine gute Kombination.
- Warmwasserspeicher: Die meisten Brennwertkessel haben einen integrierten Warmwasserbereiter oder eingebauten Speicher. Ein System mit Akkumulation ermöglicht es dem Kessel, länger bei niedriger Leistung zu laufen – wieder bessere Kondensation.
- Smart-Regelung und Thermostat: Moderne Brennwertkessel verbinden sich mit witterungsgeführten Regelungen, Smart-Thermostaten (OpenTherm-Protokoll) und Smart-Home-Systemen. Eine richtige Regelung kann weitere 8–15 % Energie sparen.
Reale Beispiele aus der Praxis
Fall 1 – Altbau mit Heizkörpern 75/65 °C: Ein Kunde in einer Wohnung wollte nach der Renovierung seinen alten Durchlauferhitzer gegen einen Kessel austauschen. Das Heizsystem mit Panelheizkörpern war für 75/65 °C ausgelegt. Wir installierten einen Brennwertkessel, ohne die Heizkörper zu ändern. Ergebnis: Im Januar, wenn der Kessel auf Volllast läuft, tritt Kondensation nur bei kalter Rücklauftemperatur morgens auf – der Rest des Jahres kondensiert wenig. Der Einsparung gegenüber dem alten Gasheizkessel betrug 14 % – nicht dramatisch, aber real. Lehre: Auch in diesem Fall hat sich der Brennwertkessel gelohnt, denn ein klassischer Kessel, der die Normen erfüllt, hätte fast den gleichen Preis gehabt.
Fall 2 – Neubau mit Fußbodenheizung: Ein Einfamilienhaus 150 m², Wärmeverlust 7 kW, komplette Fußbodenheizung mit Rücklauftemperaturen 32–38 °C. Der Brennwertkessel arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 104–107 % fast die gesamte Saison. Der Kunde kam nach der ersten Saison und sagte, dass die Gasrechnung deutlich niedriger war, als er geplant hatte. Der Vergleich mit Nachbarn mit ähnlichen Häusern und klassischen Kesseln zeigte einen 22 % Unterschied im Verbrauch.
Fall 3 – Ferienhaus mit geringer Nutzung: Der Kunde hatte ein Ferienhaus, in dem er durchschnittlich 40 Tage im Jahr verbrachte. Der jährliche Wärmeverbrauch betrug 3 500 kWh. Die Einsparung durch den Brennwertkessel gegenüber dem klassischen Kessel wäre 35 € pro Jahr. Bei einem Preisdifferenz von 500 € wäre die Amortisationszeit 14 Jahre – am Limit der Kessellebensdauer. Hier empfahlen wir einen einfacheren und günstigeren Gasheizkessel, und der Kunde sparte bei der Anschaffungskosten.
Was beeinflusst den realen Wirkungsgrad im Betrieb
Der nominelle Wirkungsgrad aus dem technischen Blatt ist eine Sache, der reale Betriebswirkungsgrad eine andere. Aus der Praxis weiß ich, dass zwischen diesen Zahlen ein Unterschied von bis zu 10 Prozentpunkten – und das in beide Richtungen – bestehen kann. Hier sind die entscheidenden Faktoren:
- Rücklauftemperatur: Der wichtigste Faktor. Jeder Grad unter 57 °C erhöht die Kondensation. Bei einer Rücklauftemperatur von 40 °C kann ein Brennwertkessel laut Hs. 106–108 % erreichen.
- Hydraulische Auslegung des Systems: Ein ungeglichenes System führt dazu, dass einige Kreise zu viel Wärme entziehen, andere zu wenig. Der Kessel bekommt eine gemischte Rücklauftemperatur, die nicht geeignet ist. Die hydraulische Auslegung ist günstig und wirkt sich sofort aus.
- Regelungseinstellung: Eine zu hohe äquithermische Kurve = unnötig heißes Wasser auch bei milden Temperaturen = weniger Kondensation. Eine korrekte Einstellung kann 5–8 % Gas sparen, ohne dass Hardware geändert werden muss.
- Zustand des Wärmetauschers: Kesselstein (hartes Wasser) oder Verschmutzungen verringern drastisch den Wärmetransport. Der Wärmetauscher muss gereinigt werden – bei harten Wässern über 300 mg/l sind Wasseraufbereitungsanlagen erforderlich.
- Kesselgröße vs. tatsächlicher Bedarf: Ein überdimensionierter Kessel arbeitet in kurzen Zyklen (sogenannte Taktung) – er erwärmt sich schnell, schaltet ab, verliert die Wärme in die Umgebung, schaltet erneut ein. Die richtige Dimensionierung ist entscheidend. Mehr dazu im Artikel Welche Leistung benötige ich für meinen Brennwertkessel?.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein Brennwertkessel in einem alten Haus ohne Fußbodenheizung sinnvoll?
Ja, aber die Einsparung wird geringer ausfallen. Ein Brennwertkessel funktioniert auch in alten Systemen mit Paneelheizkörpern, die auf 70–75 °C eingestellt sind, aber Kondensation tritt nur bei geringer Last (Übergangszeiten) ein. Die reale Einsparung gegenüber einem alten Kessel beträgt 12–18 % statt 20–25 %. Trotzdem lohnt es sich – zum einen, weil neue konventionelle Kessel fast genauso teuer sind, und zum anderen, weil die witterungsgeführte Regelung und die Leistungsmodulation unabhängig von der Kondensation Energie sparen.
Kann ich einen Brennwertkessel an einen gemauerten Schornstein anschließen?
Ja, aber der Schornstein muss angepasst werden. Die Abgase eines Brennwertkessels haben eine Temperatur von 40–60 °C – wenn sie in einen kalten gemauerten Schornstein eintreten, kondensieren sie dort und die saure Flüssigkeit beschädigt die Mauerung. Lösung: Einbau eines Kunststoff- oder Edelstahlrohres entsprechender Durchmesser (meist DN 80 oder DN 100) in den Schornstein. Alternativ kann ein koaxialer Turbo-Abgasanschluss (zweilagiges Kunststoffrohr durch die Wand oder durch das Dach) verwendet werden. Weitere Details finden Sie im Artikel Abgasführung und Luftzufuhr beim Brennwertkessel.
Lohnt sich ein Brennwertkessel auch bei höheren Servicekosten?
Ja. Der Service eines Brennwertkessels ist um 20–40 € im Jahr teurer als bei einem konventionellen Kessel – aufgrund der größeren Anzahl an Komponenten und der Kontrolle des Kondensatsiphons. Aber bei einer jährlichen Einsparung von 150–300 € für Gas ist dieser Unterschied vernachlässigbar. Bei 15 Jahren Betrieb macht der Unterschied in den Servicekosten 300–600 € aus, während die Gasersparnis 2000–4000 € beträgt.
Was ist eine Neutralisationsfüllung und muss ich sie austauschen?
Der Kondensat aus dem Kessel hat ein saures pH (3–5) und darf in vielen Fällen nicht ohne Aufbereitung entsorgt werden. Ein Neutralisator ist eine kleine Auffangwanne mit Granulat (meist CaCO3 – Kalkstein), durch das das Kondensat fließt und auf pH 6,5–7,5 neutralisiert wird. Die Füllung wird entsprechend der Kondensationsintensität ausgetauscht, meist alle 2–3 Jahre, manchmal jährlich. Sie kostet 15–30 € und wird im Rahmen der jährlichen Wartung ersetzt. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Kondensat aus dem Kessel – wie man es richtig ableitet und neutralisiert.
Ist die Montage eines Brennwertkessels aufwendiger und teurer?
Leichter. Ein Brennwertkessel erfordert zusätzlich die Ableitung des Kondensats (Rohr in die Kanalisation) und eine korrekte Abgasführung. Die Arbeit dauert in der Regel um 1–2 Stunden länger, der Preisanstieg beträgt 50–150 €, abhängig von der konkreten Situation. Die Installation darf nur von einem zertifizierten Gasinstallateur durchgeführt werden. Weitere Anforderungen finden Sie im Artikel Montage eines Brennwertkessels – was die Installation erfüllen muss.
Kann ein Brennwertkessel ohne Kondensation arbeiten (z. B. im Sommer bei Warmwasserbereitung)?
Ja. Ein Brennwertkessel ist nicht von der Kondensation abhängig – wenn die Abgase den Taupunkt nicht erreichen, arbeitet der Kessel wie ein konventioneller Kessel mit einem Wirkungsgrad von 88–92 %. Das passiert im Sommer, wenn der Kessel nur Warmwasser auf 60 °C erwärmt – die Rücklauftemperatur ist dann zu hoch für Kondensation. Aus diesem Grund wird empfohlen, einen Brennwertkessel mit einem Solarsystem zur Warmwasserbereitung zu kombinieren, um den Sommerbetrieb so kurz wie möglich zu halten. Der Kessel ist in jedem Betriebsmodus voll funktionsfähig.
Fazit – klare Antwort auf die Einleitung
Lohnt sich der Aufpreis für Kondensation? Bei den meisten Standardinstallationen ja – und das deutlich. Der höhere Preisaufschlag für den Kessel amortisiert sich innerhalb von 2–5 Jahren, der Rest der Lebensdauer des Kessels (10–15 weitere Jahre) bringt reine Einsparung. Je niedriger die Vorlauftemperatur des Heizsystems, desto schneller die Amortisation. Je höher der Gasverbrauch, desto größer die jährliche Einsparung.
Die einzige berechtigte Ausnahme sind Gebäude mit sehr niedrigem jährlichen Wärmebedarf (Chalets, Garagen mit minimalem Heizbedarf) oder Situationen, in denen in Kürze ein kompletter Wechsel der Wärmequelle geplant ist. In allen anderen Fällen – Neubauten, Sanierungen, Kesseltausche in Einfamilienhäusern – ist ein Brennwertkessel die wirtschaftlich und technisch richtige Wahl.
Wenn Sie sich unsicher sind, welches Modell Sie wählen sollen, wie viel Leistung Sie benötigen oder wie Sie das System für maximale Effizienz einstellen sollen, lesen Sie auch Wie man einen Brennwertkessel auswählt – worauf man vor dem Kauf achten sollte oder Häufig gestellte Fragen zu Brennwertkesseln, wo Sie weitere praktische Informationen aus der Kundenerfahrung finden.
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