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Abgasführung und Luftzufuhr für Brennwertkessel

Abgasführung und Luftzufuhr beim Brennwertkessel – der umfassende Leitfaden

Wenn sich ein Kunde für einen Brennwertkessel entscheidet, fällt die meiste Aufmerksamkeit auf Leistung, Wirkungsgrad oder Preis. Die Frage, wie und wo die Luft und die Abgase abgeführt werden, landet meist am Ende der Liste. Dabei kann genau dieses Thema die gesamte Installation komplizieren, verteuern oder im schlimmsten Fall Probleme mit Sicherheit und Funktion verursachen. Wir haben dutzende Fälle gesehen, bei denen der Kessel richtig ausgewählt und richtig an das Heizsystem angeschlossen wurde, aber die Abgasführung unterschätzt wurde – mit der Folge, dass der Kessel nicht zuverlässig arbeitete oder die Installation die Prüfung nicht bestand.

Dieser Artikel widmet sich genau diesem Thema in der Tiefe: Welche Möglichkeiten der Abgasabführung gibt es, was bedeuten die verschiedenen Abzugsklassen, wie funktioniert das Koaxialsystem, welche Dimensionierungsregeln gelten, wo drohen Fehler und was ist vor jeder Installation zu beachten.

Warum ist die Abgasführung beim Brennwertkessel anders als bei einem klassischen Kessel

Ein klassischer atmosphärischer Kessel arbeitet mit Abgastemperaturen von typischerweise 160–220 °C. Solch heiße Abgase haben einen natürlichen Anzug – sie steigen durch den Schornstein nach oben, ohne dass ein Lüfter erforderlich ist. Der Brennwertkessel ist in dieser Hinsicht ein komplett anderer „Lebewesen“. Genau deshalb, weil er das Maximum an Wärme aus den Abgasen einschließlich der latenten Wärme des Wasserdampfs gewinnt, verlassen die Abgase den Kessel bei einer Temperatur von nur 50–70 °C, manchmal sogar darunter. Bei dieser Temperatur ist der natürliche Anzug schwach oder praktisch null. Deshalb enthält jeder Brennwertkessel einen eingebauten Lüfter, der die Abgase aktiv aus dem Kessel drückt (oder saugt) und gleichzeitig den Verbrennungsluftanschluss betreibt.

Dieses Prinzip wird Überdruck- oder Unterdruckabzug genannt (je nach Bauart des Lüfters). Die meisten modernen Brennwertkessel arbeiten mit einem Überdrucklüfter – die Abgase werden aktiv nach außen gedrückt. Dies hat einen grundlegenden Einfluss darauf, welches Schornsteinsystem Sie verwenden können und wie Sie es dimensionieren müssen.

Weiteres spezifisches Merkmal: Die Abgase eines Brennwertkessels sind feucht und leicht sauer (der pH-Wert des Kondensats liegt bei ca. 3–5). Das bedeutet, dass das gesamte Abzugssystem korrosions- und feuchtigkeitsbeständig sein muss. Ein gewöhnlicher Mauerziegel-Schornstein reicht dafür nicht aus.

Abgastemperatur: Klassischer Kessel vs. Brennwertkessel 0°C 50°C 100°C 150°C 200°C Klassischer Kessel 180–220°C Brennwertkessel 50–70°C Niedrigere Abgastemperatur = aktiver Abzug erforderlich, feuchtigkeitsbeständiges System

Typen der Abgasabführung – Überblick und Bezeichnung

In Europa werden die Abgasabführungssysteme gemäß der Norm EN 15502 und den entsprechenden nationalen Vorschriften (bei uns STN EN) bezeichnet. Die grundlegenden Klassen, mit denen man bei Brennwertkesseln konfrontiert wird, sind:

Klasse B – Verbrennungsluft aus dem Raum, Abgas in den Schornstein

Ein Kessel der Klasse B nimmt die Verbrennungsluft direkt aus dem Raum, in dem er installiert ist, und führt die Abgase in einen gemeinsamen Schornstein (oder ein eigenes Abzugssystem). Bei Brennwertkesseln wird diese Konfiguration heute fast nie verwendet – sie erfordert einen offenen Kessel (was bei Brennwertkesseln eine Seltenheit ist), ausreichend frische Luft im Raum und schließt das Risiko eines Rückstaus bei starkem Wind oder Niederdruck nicht aus. Wenn jemand die Installation eines Brennwertkessels der Klasse B vorschlägt, ist das mindestens ein Anlass für weitere Fragen.

Klasse C – geschlossenes System, Verbrennungsluft und Abgase durch Fassade oder Dach

Dies ist das Standard-System für Brennwertkessel. Der Kessel ist dicht – die Verbrennungsluft und die Abgasabführung erfolgen durch dasselbe oder getrennte Rohre, die aus dem Gebäude führen. Der Kessel ist in keiner Weise mit der Luft im Raum verbunden (im Sinne des Verbrennungsprozesses). Die Klasse C wird weiter nach der Art der Rohrführung unterteilt:

  • C13 – Koaxial-System (Verbrennungsluft von außen und Abgase nach außen durch ein zweiröhreniges Rohr), Anschluss an die Außenwand. Der häufigste Fall bei Brennwertkesseln in Wohnungen.
  • C33 – Koaxial-System, das durch das Dach führt.
  • C43 – getrennte Rohre, Verbrennungsluft und Abgase werden anders geführt, z. B. Verbrennungsluft aus dem Außenbereich durch ein eigenes Rohr, Abgase anderswohin.
  • C53 – getrennte Rohre, Verbrennungsluft und Abgase werden jeweils anderswohin geführt (z. B. Verbrennungsluft von der Fassade, Abgase durch einen bestehenden Schornstein mit Einlage).
  • C63 – Kessel, der an typisierte Abzugssysteme angeschlossen werden kann (z. B. Systeme für mehrere Kessel).
  • C83 – Verbrennungsluft wird aus einem gemeinsamen Luftkanal genommen (z. B. Schacht in einer Wohnanlage), Abgase in einen gemeinsamen Abzugskanal.

In der Praxis dominieren bei Einfamilienhäusern und Wohnungen C13 (Koaxial durch die Fassade) und C33 (Koaxial durch das Dach). Bei Renovierungen, bei denen ein Schornstein vorhanden ist, kommt C53 mit einer Edelstahleinlage in Betracht.

Koaxial-System C13 – Querschnitt durch die Wand (Schaltplan) WAND INNENRAUM AUßENRAUM Außenmantel – Luftzufuhr Innenrohr – Abgasabführung Luft → ← Abgase KESSEL Brennwert Austritt Luft strömt durch den Außenmantel herein, Abgase strömen durch das Innenrohr hinaus

Koaxialsystem – wie funktioniert es und welche Vorteile bietet es

Das Koaxialrohr (auch „Luft-Abgas“ oder kurz LAS – Luft-Abgas-System) ist eine Lösung, bei der in einer Einheit zwei konzentrische Rohre verbaut sind. Das innere Rohr leitet die Abgase ab, der äußere Ringbereich führt frische Luft aus dem Außenbereich. Beide Funktionen sind also mit einem Durchgang durch die Wand oder das Dach gelöst.

Vorteile des Koaxialsystems:

  • Vorheizung der Verbrennungsluft: Beim Leiten der Luft zum Kessel umströmt diese die warme Abgasrohrwand und nimmt einen Teil der Wärme auf. Dies verbessert leicht den Wirkungsgrad des Kessels und reduziert das Risiko von Kondensation auf der kalten Seite.
  • Einfache Installation: Ein Loch in der Wand, ein Durchgang, ein Abluftauslass nach außen. Weniger Platzbedarf, weniger Arbeit.
  • Sicherheit: Der Kessel ist luftdicht vom Innenraum abgegrenzt – Rückstau von Abgasen in die Räume ist ausgeschlossen.
  • Regelung des Lüfterzuges: Da Luft und Abgase durch feste Rohre mit definiertem Durchfluss geleitet werden, kann der Kessellüfter den Verbrennungsprozess präzise steuern.

Ein typisches Koaxialsystem für einen Standard-Brennwertkessel in einer Wohnung hat Durchmesser 60/100 mm (innere/äußere Rohr) oder 80/125 mm für leistungsstärkere Kessel (25–35 kW und mehr). Einige Hersteller bieten auch Systeme 80/80 mm mit getrennt verlegten parallelen Rohren (sog. „twin pipe“ oder „PP“ System) an – in diesem Fall handelt es sich um Typ C43 oder C53, bei dem Luft und Abgase getrennt geführt werden.

Wichtige Praxiswarnung: Der Koaxialauslass an der Fassade muss so angeordnet sein, dass die Abgase nicht in Fenster, Lüftungsschlitze oder angrenzende Räume eindringen. Normen und Hersteller geben minimale Abstände vor (meist 300–500 mm von Fenstern, 300 mm vom Gebäudeeck, 200 mm über dem Gelände und dergleichen). Diese Abstände sind keine Empfehlungen – sie sind verpflichtend.

Edelstahlrohr für Schornstein – wann und wie es verwendet wird

Bei der Sanierung älterer Häuser stoßen wir auf die übliche Situation: ein vorhandener Ziegel- oder Betonschornstein, ursprünglich für feste Brennstoffe oder einen alten Gasheizkessel gedacht. Kann ein Brennwertkessel diesen Schornstein nutzen? Direkt nicht. Ein Ziegel- oder Betonschornstein ist nicht widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und Säure des Kondensats – er würde sich im Laufe der Zeit von innen zersetzen.

Lösung ist die Einsetzung eines flexiblen oder starren Edelstahlrohrs in den Schornstein. Dabei handelt es sich um ein Rohr aus korrosionsbeständiger Stahllegierung (Klasse 1.4404 oder vergleichbar), das in den vorhandenen Schornstein eingefügt wird. Das Einsetzrohr muss korrekt dimensioniert sein und darf nicht zu lang sein – andernfalls friert das Kondensat im Winter oder sammelt sich ohne Möglichkeit zur Ableitung.

Beim Einsatz eines Edelstahlrohrs in einem bestehenden Schornstein gilt:

  • Der Durchmesser des Einsetzrohrs muss den Empfehlungen des Kesselherstellers entsprechen (typischerweise DN 80 bis DN 130, abhängig von der Leistung und der Länge des Zuges).
  • Das Einsetzrohr muss am unteren Ende einen Kondensatfänger mit Ableitung haben.
  • Der Schornsteinschacht um das Einsetzrohr herum muss thermisch isoliert sein, um ein übermäßiges Abkühlen der Abgase und eine übermäßige Kondensation zu vermeiden.
  • Die Verbrennungsluft wird in diesem Fall meist anders bereitgestellt – entweder aus dem Raum (Typ B, was bei Brennwertkesseln die Erfüllung von Lüftungsbedingungen für den Raum voraussetzt) oder über ein eigenes Rohr aus dem Außenbereich (C53).

Aus der Praxis: Das Einsetzen eines Schornsteins für einen Brennwertkessel ist üblich und funktioniert gut, wenn es richtig ausgeführt wird. Probleme entstehen, wenn ein günstiges Einsetzrohr ohne Isolierung verwendet wird oder das Kondensat direkt in den Mauerstein des Schornsteins tropft – das führt zu Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbildung und im Extremfall zum Zerfall der Mauer.

Schornstein mit Edelstahleinsetzrohr – Querschnittsskizze ziegeler Schornstein Isolierung Einsetzrohr Edelstahl ↑ Abgase nach außen ↓ Kondensat Kondensatfänger HEIZKESSEL Das Einsetzrohr muss thermisch isoliert sein, das Kondensat muss aufgefangen und abgeführt werden

Dimensionierung des Abgasrohrs – konkrete Zahlen und Regeln

Die Dimensionierung des Schornsteins oder Abgasrohrs ist nicht nur eine Frage des „Einschneidens“. Eine falsche Überdimensionierung führt entweder zu unzureichendem Zug (der Kessel meldet einen Fehler beim Start, unstabiles Brennen) oder zu übermäßigem Abkühlen der Abgase und übermäßigem Kondensieren im Rohr. In der Praxis orientiert man sich an:

Maximale Länge des Koaxialrohrs

Jeder Kesselhersteller gibt sogenannte äquivalente Längen des Koaxialsystems an. Beispielsweise beträgt die äquivalente Länge für ein System 60/100 mm typischerweise 3–5 m (gesamte äquivalente Länge), bei 80/125 mm kann sie 10–15 m betragen. Jeder Rohrbogen (90°) wird als äquivalente Länge hinzugezählt (meist 1–1,5 m für 45°-Bogen und 1,5–2 m für 90°-Bogen). Diese Werte finden Sie im Montagehandbuch für den konkreten Kessel – und sie müssen eingehalten werden, nicht umgangen.

Aus der Praxis: Ein sehr häufiger Fehler ist, dass der Installateur die Route verlängert, um beispielsweise einen Deckenträger zu umgehen, und so den erlaubten Grenzwert überschreitet. Der Kessel funktioniert zwar, aber bei niedrigen Außentemperaturen kann es vorkommen, dass der Lüfter die Abgase nicht ausreichend drücken kann und der Kessel einen Fehler meldet. Lösung: Bei längeren Strecken auf einen größeren Durchmesser oder ein anderes Systemtyp wechseln.

Neigung des Rohrs nach außen

Das Koaxialrohr sollte eine Neigung von mindestens 3 % (3 cm pro 1 Meter) nach außen haben – d.h. das Ende am Abluftauslass muss niedriger liegen als der Anfang am Kessel. Der Grund ist einfach: Das Kondensat, das sich im Rohr bildet (und bei Brennwertkesseln immer vorhanden ist), muss zurück in den Kessel laufen, wo es aufgefangen und abgeführt wird. Wenn das Rohr in die entgegengesetzte Richtung geneigt oder horizontal verlegt ist, sammelt sich das Kondensat an und blockiert den Durchfluss oder friert ein.

Höhe des Schornsteins bei Einsetzen

Bei vertikaler Führung (Edelstahleinsetzrohr, System durch das Dach) gilt, dass die minimale Höhe des Schornsteinmunds über dem Dach mindestens 0,5 m über der Kante einer Flachdach oder 0,65 m über dem First eines Satteldachs betragen muss (gemäß STN EN 15502 und zugehörigen Vorschriften). Bei Brennwertkesseln mit Niedertemperaturabgasführung sind diese Anforderungen in einigen Fällen etwas gelockert, aber sie sollten niemals unterschätzt werden – der Prüftechniker wird sie überprüfen.

Gemeinsame Abluftsysteme in Mehrfamilienhäusern

In Mehrfamilienhäusern wird die Situation kompliziert – nicht jeder Wohnung kann ein eigener Abluftanschluss an der Fassade haben (zumindest nicht immer). Lösung sind gemeinsame Abluftschächte (System C83 oder LAS-Schächte). Prinzip: In einem gemeinsamen vertikalen Schacht führt ein großer Kanal für die Luftzufuhr und ein anderer für die Abgasführung von allen Wohnungen. Jeder Heizkessel ist über einen Abzweig mit Schutzklappe an den Schacht angeschlossen.

Diese Systeme sind technisch gut gelöst, aber bei der Sanierung bestehender Mehrfamilienhäuser erfordert ihre Realisierung die Koordination des gesamten Hauses, ein Baugesuch und meist auch eine technische Aufsicht. Es handelt sich nicht um etwas, das ein Mieter allein regeln kann.

Als Alternative in Mehrfamilienhäusern dient die individuelle Koaxialabgasung durch die Fassade für jede Wohnung – falls die Fassade dies zulässt und das Baurecht erlaubt. In Plattenbauten und älteren Wohnblocks stoßen wir auf Komplikationen bei der Platzierung des Abluftanschlusses (lokale Verordnung, ästhetische Vorgaben des Hausverwalters, Nähe zu Fenstern der Nachbarn). Dies muss vorher geregelt werden – vor dem Kauf des Heizkessels.

Typen der Abgasführung – Übersichtsskizze C13 / C33 / C53 C13 Koaxial – durch die Wand Abluftanschluss an der Fassade 1 Loch, 2 Rohre C33 Koaxial – durch das Dach Abluftanschluss auf dem Dach geeignet für Sanierung C53 getrennte Rohre / Schornstein Abgas → Schornstein Luft → Fassade Die Wahl des Systems hängt von der Disposition des Hauses und der bestehenden Infrastruktur ab

Luftzufuhr – warum davon mehr abhängt, als es scheint

Ein Brennwertkessel der Klasse C bezieht die Luft selbstständig über ein äußeres Rohr – das ist klar. Aber was, wenn ein Kessel der Klasse B gewählt wird (oder der Kessel aus anderen Gründen die Luft aus dem Raum bezieht)? Dann muss die Luftzufuhr in die technische Räume aktiv gelöst werden.

Die Verbrennung von Gas verbraucht Luft. Bei einem Kessel mit 24 kW Leistung beträgt der Verbrauch in der Regel 4–6 m³ Luft pro Stunde. Wenn der Raum klein und luftdicht ist (z. B. moderne Häuser mit hervorragender Dichtung der Fenster), kann ein Unterdruck entstehen, der den Kaminzug beeinflusst oder eine Rückströmung der Abgase verursacht. In der Praxis kommt das bei Kesseln der Klasse C selten vor, da die Luft von außen kommt. Bei Kesseln der Klasse B (oder bei Kombination mit anderen Luftverbrauchern wie z. B. einer Dunstabzugshaube in der Küche) muss man das aber berücksichtigen.

Die Lüftungsvorgaben für Räume mit Kesseln der Klasse B:

  • Die Luftzufuhr muss dauerhaft erfolgen (z. B. durch ein Gitter, ein Lüftungsgitter), nicht nur durch ein Fenster.
  • Die Querschnittsfläche des Lochs wird nach der Leistung des Kessels berechnet – grob geschätzt 6 cm² pro 1 kW Kesselleistung.
  • Der Raum darf nicht unterdruckbehaftet sein (z. B. aufgrund eines Abwasserschachts in der angrenzenden Küche).
  • Wenn im Raum mehrere Luftverbraucher vorhanden sind, muss die Berechnung auf ihre Summe bezogen werden.

Diese Vorgaben der Normen und Inspektionen müssen eingehalten werden – das Nicht-Einhalten kann direkt auf die Sicherheit Einfluss haben. Die ordnungsgemäße Installation eines Brennwertkessels muss immer den geltenden Vorschriften entsprechen und sollte von einem zertifizierten Installateur mit Gasberechtigung durchgeführt werden. Detailliertere Vorgaben für die gesamte Installation finden Sie im Artikel Montage eines Brennwertkessels – was die Installation erfüllen muss.

Kondensat in der Abgasleitung – das hängt nicht nur vom Kessel ab

Die Kondensation von Wasser aus den Abgasen erfolgt nicht nur im Wärmetauscher des Kessels, sondern auch in der Abgasleitung – besonders bei langen Leitungen oder im Winter. Jeder Ort, an dem die Abgase ausreichend abgekühlt werden, produziert Kondensat. Deshalb:

  • Koaxialrohre müssen einen Gefälle in Richtung des Kessels haben (wie bereits erwähnt).
  • In Schornsteinschächten wird das Kondensat im Boden des Schachts in einem Auffangbehälter gesammelt und über eine Ableitung in die Kanalisation geleitet.
  • Kondensat ist leicht sauer – der pH-Wert liegt bei etwa 3–5, abhängig vom Brennstoff (bei Erdgas ist es weniger sauer als bei Propan). Vor dem Einleiten in die Kanalisation ist es sinnvoll, es zu neutralisieren, besonders wenn die Menge groß ist. Diesem Thema widmet sich ein eigener Artikel Kondensat vom Kessel – wie man es richtig ableitet und neutralisiert.

In der Praxis stoßen wir auf Fälle, in denen der Schornsteinschacht ohne Kondensatfänger installiert wurde – der Installateur hat es „vergessen“ oder hielt es für unwichtig. Ergebnis: Kondensat läuft an der Mauer ab, verursacht Feuchtigkeitsbilder an den Wänden und schließlich auch Schäden an der Putz- oder Mauerwerkoberfläche. Die Lösung ist einfach – der Kondensatfänger ist ein günstiges Bauteil, muss aber vorhanden sein.

Sicherheitsaspekte und gesetzliche Vorgaben

Die Abgasführung ist nicht nur eine technische, sondern auch eine rechtliche Angelegenheit. Gemäß den geltenden slowakischen Vorschriften (Gesetz zur Luftreinhaltung, Verordnung des Umweltministeriums, STN EN Normen und Vorschriften der Gasvertriebsunternehmen) muss jede Installation eines Gasgeräts, einschließlich Brennwertkessels:

  • von einer berechtigten Person (zertifizierter Gasinstallateur) durchgeführt werden.
  • durch eine Prüftechnik genehmigt werden (Übergabeprüfung).
  • die Anforderungen an den Schornsteinsystem (Material, Abmessungen, Verlauf) erfüllen.
  • mit Sicherheitskomponenten ausgestattet sein (Sicherheitsventile, Blockierung bei Ausfall der Abgasführung – die meisten modernen Kessel haben einen Abgasdetektor oder eine Blockierung bei Abgasstörung).

Ein Brennwertkessel mit aktiver Lüftung besitzt in der Regel einen eingebauten Druckmesser oder Durchflussmesser, der überwacht, ob Luft und Abgase tatsächlich korrekt strömen. Falls nicht – blockiert der Kessel und zeigt eine Fehlermeldung an. Dies ist eine Sicherheitsvorrichtung, kein Defekt. Wiederholt sich dieser Fehler, ist das ein Signal dafür, dass etwas mit dem Abluftsystem nicht in Ordnung ist (verstopfte Leitungen, falsche Dimensionierung, gefrorener Abluftanschluss). Über typischen Fehlern können Sie mehr im Artikel Typische Defekte von Brennwertkesseln und deren Ursachen lesen.

Erfrieren des Abluftanschlusses – ein reales Problem bei kaltem Wetter

Der koaxiale Abluftanschluss an der Fassade ist im Winter dem Frost ausgesetzt. Die Abgase, die nach außen führen, sind feucht – und bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt kann Kondenswasser am Abluftanschluss gefrieren. Eiszapfen oder eine Eisschicht können den Abluftanschluss teilweise oder vollständig verstopfen. Der Kessel registriert dies (Sicherheitsvorrichtung Abluft) und blockiert sich.

Dies passiert tatsächlich – vor allem, wenn der Abluftanschluss falsch montiert ist (z. B. unter einem herabhängenden Trauf, wo sich Eis schneller bildet), oder wenn die Leitung zu lang ist und die Abgase beim Austritt sehr kalt sind. Lösungen:

  • Korrekte Positionierung des Abluftanschlusses – außerhalb von Bereichen mit erhöhter Kondensation, nicht direkt unter dem Trauf.
  • Verwendung eines Abluftanschlusses mit Frostschutz (einige Hersteller bieten spezielle Abluftanschlüsse für kaltes Klima an).
  • Verkürzen der Leitung auf ein Minimum, damit die Abgase beim Austritt noch ausreichend Temperatur haben.
  • Kontrolle und gegebenenfalls manuelles Abtauen bei Frostwetter.

Häufige Fehler bei der Installation des Abluftsystems

Aus der Erfahrung der alltäglichen Kundendienstpraxis sind dies die häufigsten Fehler, mit denen wir bei Wartungen oder Inspektionen konfrontiert werden:

  • Überschreitung der maximalen Länge des Koaxials – die Leitung ist zu lang, der Kessel arbeitet an oder über der Grenze.
  • Falscher Neigungswinkel der Leitung – die Leitung verläuft leicht bergauf nach außen, Kondenswasser steht in der Leitung oder tropft nach außen anstelle nach innen.
  • Fehlender Kondenswasserfang bei Einbau in Schornstein – Kondenswasser zerstört das Mauerwerk des Schornsteins.
  • Ungeeigneter Durchmesser der Einlage – Durchmesser zu klein für die Kesselleistung oder zu groß (Abgase kühlen sich zu stark ab und der Kessel arbeitet ineffizient).
  • Abluftanschluss in der Nähe eines Fensters oder Lüftungsgitters – Abgase gelangen zurück ins Innenraum, CO-Vergiftungsgefahr.
  • Nicht isolierte Einlage in kaltem Schornstein – übermäßige Kondensation, erhöhte Verschleißrate der Einlage.
  • Verwendung des falschen Rohrmaterials – z. B. Aluminiumrohre dort, wo der Hersteller PP oder Edelstahl verlangt.

Materialien für Abluftrohre

Für Brennwertkessel werden folgende Materialien verwendet:

  • Polypropylen (PP) – beständig gegen Kondenswasser und Säuren, leicht, ausreichend Formteile vorhanden. Standardlösung für koaxiale Systeme im Innenbereich und für Schornsteineinlagen. Beständig bis ca. 120 °C.
  • Korrosionsbeständiger Edelstahl (1.4404 / 316L) – für äußere oder lange Installationen, robuster gegenüber mechanischen Beschädigungen. Teurer, aber robuster in Extremsituationen.
  • Aluminium – von einigen Herstellern für abgedeckte äußere Teile (Abluftanschluss) verwendet, aber nicht langfristig für kondensierende Umgebungen geeignet – reagiert mit saurem Kondenswasser.
  • Keramik oder Schamott – für Brennwertkessel nicht geeignet, ohne spezielle Imprägnierung, Keramik saugt Feuchtigkeit auf und wird im Laufe der Zeit durch Kondenswasser beschädigt.

Immer gilt: Verwenden Sie das Material, das der Kesselhersteller empfiehlt. Einige Kessel sind nur mit bestimmten Systemen zertifiziert – wenn Sie ein anderes System verwenden, fällt die Garantie und die Verantwortung für die ordnungsgemäße Funktion weg.

Praktisches Beispiel aus der Praxis: Sanierung eines Einfamilienhauses von Gasheizkessel auf Brennwertkessel

Der Kunde hatte in seinem Einfamilienhaus einen alten klassischen Gasheizkessel mit Schornstein 200 × 200 mm, gemauert, Höhe 8 m. Er wollte auf einen Brennwertkessel mit 24 kW umsteigen und den bestehenden Schornstein so weit wie möglich nutzen. Lösung:

  1. In den bestehenden Schornstein wurde eine flexible Edelstahleinlage DN 100 mm eingefügt (vom Kesselhersteller für Leistungen bis 25 kW bei Längen bis 10 m empfohlen).
  2. Die Einlage wurde mit Mineralfaserdämmung in der Zwischenraum zwischen Einlage und Mauerwerk thermisch isoliert.
  3. Unten am Schornstein wurde ein Kontrolldeckel mit Kondenswasserfänger und Ablauf DN 32 installiert, der über einen Neutralisator in die Kanalisation führt.
  4. Die Verbrennungsluft wurde über ein eigenes Rohr (DN 80 PP) durch die Fassade neben dem Schornstein geführt – System C53.
  5. Die Inspektion verlief ohne Beanstandungen, der Kessel arbeitet problemlos.

Die Gesamtkosten für das Abluftsystem einschließlich Einlage, Dämmung, Neutralisator und Arbeitskraft betrugen in diesem Fall ca. 600–900 € – was für eine solche Sanierung ein normaler Bereich ist. Beim Planen der Gesamtinvestition in einen Brennwertkessel sollte man diese Position berücksichtigen.

Abluft und Energieeffizienz – ein Zusammenhang, der oft übersehen wird

Ein korrekt dimensioniertes und isoliertes Abluftsystem beeinflusst direkt die tatsächliche Effizienz des Kessels. Ein Brennwertkessel erreicht die deklarierte Effizienz über 100 % (bezogen auf die Heizwertberechnung) gerade deshalb, weil die Abgase ausreichend abgekühlt sind und der Wasserdampf in ihnen im Wärmetauscher kondensiert. Wenn das Abluftrohr zu kurz ist, haben die Abgase nicht genug Zeit, Wärme abzugeben und verlassen wärmer – Kondensation ist geringer, Effizienz sinkt. Wenn das Rohr zu lang und nicht isoliert ist, kühlen sich die Abgase im Rohr ab, nicht im Wärmetauscher – Kondenswasser läuft in das Rohr, nicht in den Kessel, und der Wärmetauscher arbeitet nicht optimal.

Deshalb ist die richtige Länge und Isolierung des Abluftsystems nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig. Mehr über die Auswahl und den Vergleich von Brennwert- und klassischen Kesseln aus wirtschaftlicher Sicht finden Sie im Artikel Brennwertkessel vs. klassischer Kessel – lohnt sich der Aufpreis für Kondensation.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich einen Brennwertkessel an einen alten Ziegel- oder Betonschornstein anschließen, ohne Einlage?

Nein. Ein Ziegel- oder Betonschornstein ist nicht beständig gegen Feuchtigkeit und Säure des Kondenswassers aus den Abgasen des Brennwertkessels. Ohne Edelstahl- oder PP-Einlage würde das Kondenswasser das Mauerwerk langfristig sättigen und Schäden verursachen, Feuchtigkeitsschäden an den Wänden und im Extremfall statische Probleme am Schornstein. Eine zertifizierte Einlage aus geeignetem Material ist immer notwendig.

Was, wenn ich keinen Abluftanschluss an der Fassade anbringen kann – z. B. in einer Wohnung?

Falls die Fassadenverlegung nicht möglich ist (Hausverwaltung, Nähe zu Fenstern der Nachbarn, ästhetische Anforderungen), gibt es Alternativen: Verlegung durch die Dachfläche (C33), Anschluss an eine gemeinsame Lüftungs- und Abluftschacht (C83) oder Einlage in einen bestehenden Schornstein. Jede dieser Möglichkeiten hat ihre eigenen technischen und räumlichen Anforderungen. Das muss vor dem Kauf des Kessels gelöst werden, nicht danach.

Wie lang darf ein 60/100 mm-Koaxialrohr sein?

Das hängt vom konkreten Hersteller und Modell des Kessels ab – immer prüfen Sie das im Montagehandbuch. Orientierungswerte für ein 60/100 mm-System sind maximale äquivalente Längen von 3–5 m, jedes 90°-Knie zählt als 1,5–2 m Äquivalent. Für längere Strecken ist ein größerer Durchmesser (80/125 mm) oder ein anderes System erforderlich. Das Überschreiten dieser Grenze führt zu instabilem Brennen oder Fehlermeldungen des Kessels.

Muss ein Koaxialrohr einen Neigungswinkel haben? In welche Richtung?

Ja – das Rohr muss mindestens 3 % Neigung (3 cm auf 1 m Länge) in Richtung des Kessels haben, d. h. der Abluftanschluss an der Fassade muss physisch niedriger als die Anschlussstelle am Kessel sein. Damit wird sichergestellt, dass das Kondenswasser im Rohr in Richtung des Kessels fließt (wo es aufgefangen und abgeführt wird), und nicht nach außen an die Fassade. Gegenläufige Neigung oder gar keine Neigung sind eine der häufigsten Fehler bei der Installation.

Der Abluftanschluss des Brennwertkessels friert im Winter – was tun?

Das Erfrieren des Abluftanschlusses ist ein reales Problem bei niedrigen Temperaturen, besonders wenn das Rohr lang ist und die Abgase beim Austritt eine niedrige Temperatur haben. Lösungen sind: korrekte Positionierung des Abluftanschlusses (nicht unter dem Trauf, nicht an der nördlichen Seite ohne Sonne), Verwendung eines Abluftanschlusses mit Frostschutz, Verkürzen der Rohrleitung. Im Extremfall ist es möglich, den Abluftanschluss manuell abzutauen (vorsichtig mit warmem Wasser), aber wiederkehrendes Erfrieren ist ein Signal für eine falsche Installation.

Kann ein Brennwertkessel ohne Schornstein, sondern nur durch die Wand arbeiten?

Ja – und das ist gerade eine seiner Vorteile. Ein Brennwertkessel mit Koaxialsystem (C13) arbeitet ohne jeglichen Schornstein – Luft und Abgase werden über ein einfaches Zweiröhrenrohr direkt durch die Außenwand geführt. Der Fassadenanschluss ersetzt den Schornstein. Dies ist eine gängige Lösung in Wohnungen und bei Neubauten von Einfamilienhäusern, bei denen der Schornstein aus genau diesem Grund gar nicht erst gebaut wird.

Fazit

Abgasführung und Luftzufuhr beim Brennwertkessel sind Themen, die genauso viel Aufmerksamkeit verdienen wie die Auswahl des Kessels selbst. Eine schlechte Abgaslösung kann zu Funktionsproblemen, Schäden an der Bausubstanz, Sicherheitsrisiken oder einer fehlgeschlagenen Wartung führen. Eine gute Lösung hingegen garantiert, dass der Kessel zuverlässig, wirtschaftlich und sicher über die gesamte Lebensdauer arbeitet.

Grundregeln sollten Sie sich merken: Der Brennwertkessel gehört in die Klasse C (abgeschlossenes System), das Koaxialsystem durch die Wand ist die einfachste und am häufigsten verwendete Lösung, bei Sanierungen mit bestehendem Schornstein ist eine Edelstahleinlage mit Isolationsmantel erforderlich, jedes System hat seine maximale zulässige Länge und muss den richtigen Neigungswinkel haben. Die Installation erfolgt immer durch einen zertifizierten Installateur und jede neue Installation muss einer Übergabekontrolle unterzogen werden.

Wenn Sie eine Installation planen und sich noch nicht sicher sind, welcher Kessel und welcher Abgastyp für Ihr Haus geeignet ist, lesen Sie auch den Artikel Wie wählt man einen Brennwertkessel – worauf man vor dem Kauf achten sollte oder Welche Leistung hat ein Brennwertkessel für mein Haus? – beide helfen Ihnen, vor dem Kauf eine informierte Entscheidung zu treffen.

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